1. Saison Highlight: 2. Piesberg Ultra Marathon (PUM)

Am Samstag (29.03.2014) war es soweit: Das erste Highlight der Laufsaison 2014 stand auf dem Programm. Wie im Vorjahr sollten sechs Runden am Piesberg bei Osnabrück gedreht werden.

Im Vorjahr war der 1. PUM für mich ein echter Genusslauf. Es war mein erster Ultramarathon. Ich war bestens trainiert und mental sehr gut vorbereitet. Damals konnte ich den PUM vom Anfang bis zum Ende durchlaufen, lediglich an Steigungen bin ich gegangen. Und ich hatte jederzeit das Gefühl noch eine Schippe drauflegen zu können.

In diesem Jahr war alles anders. Ich hatte schon in meinen früheren Berichten erwähnt wie trainingsfaul ich im Winter war und dass sich das leider sehr ungünstig sowohl auf meine Laufleistung als auch auf mein Körpergewicht ausgewirkt hat. Die Trainingsrunden, die ich im Januar und Februar mit Uwe-Heinz und einigen anderen Lauffreunden am Piesberg gedreht hatte, hatten bereits sehr deutlich gezeigt, dass es in diesem Jahr alles andere als einfach für mich werden dürfte.

Allerdings hatte ich in letzter Zeit doch einige Kilometer abgespult. Am 18.03. war ich den Feierabend Marathon bei Olaf gelaufen und am 22.03. den 60 km langen Frühlingsultra mit Crispin und co. Nahezu trainingsfrei ca. 100 Kilometer innerhalb von 4 Tagen abzuspulen und eine Woche später zum PUM zu fahren klingt nach einer saublöden Idee. Aber wenigstens kamen so einige Trainingskilometer zusammen.

Eigentlich fühlte ich mich nicht wirklich schlecht, sondern war sogar guter Dinge als es am Samstag losging. Aber den PUM darf man nicht zu leicht nehmen. Die technischen Daten: 55,3 Kilometer Strecke, 1740 Höhenmeter und nicht zu vergessen: 3102 Treppenstufen. Das Ding ist nicht ohne.

Im Vergleich zum Vorjahr gab es unter und über der berüchtigten Treppenanlage jeweils eine kleine Streckenänderung. Insgesamt war die Strecke dadurch ca. 900 Meter länger als im Vorjahr. Damals bin ich in 8:07:38 Stunden ins Ziel gekommen. Bei gleicher Geschwindigkeit hätte ich in diesem Jahr also irgendetwas um 08:15 Stunden brauchen müssen. Aber daran war gar nicht zu denken. Oben an den Treppen hatte ich im letzten Jahr immer wieder Durst. Als die Veranstalter in einer Mail bekannt gaben, dass es diesmal dort oben einen zweiten Verpflegungsposten geben würde, war ich sehr froh. Deshalb hatte ich mich dazu entschlossen in diesem Jahr ohne Trinkgürtel zu starten.

Eine genaue Streckenbeschreibung spare ich mir hier. Die habe ich im letzten Jahr in meinem Bericht geliefert.

Als wir am Startort, dem Vereinsgelände der Spielvereinigung Haste, ankamen, hörten wir den Startschuss und wunderten uns, dass es anscheinend bereits losging. Waren wir zu spät? Hätten wir die Uhren bereits umstellen müssen? Nein, das war erst in der nächsten Nacht dran. Und außerdem waren das nie und nimmer 111 Starter – so viele waren angekündigt. Aber es gab Entwarnung: Es wurde ein Frühstart durchgeführt für diejenigen, die voraussichtlich länger als 9 Stunden brauchen würden. Hätte ich das gewußt, hätte ich mich vielleicht auch für einen Frühstart entschieden. Ich erwartete ja, dass es mit den 9 Stunden recht eng werden könnte.

Uwe-Heinz hatte wie im Vorjahr die Startnummern für uns abgeholt. Anders als im Vorjahr gab es diesmal eine elektronische Zeitnahme. In den Startnummern war ein entsprechender Chip integriert. Die Runden selbst wurden per Hand bzw. per Zettel am Verpflegungspunkt am Ende der Runde gezählt. Der Chip diente zur Erfassung der Gesamtzeit zwischen Start und Ziel.

In der ersten Runde lief noch alles bestens. Ich habe mich ein wenig von den anderen Racebookern mitreißen lassen und bin nach 1:05 Stunde am Verpflegungsposten, der wieder direkt am Ende der Runde aufgebaut war, angekommen. Das war meine bisher schnellste Runde am Piesberg überhaupt. Da aber ja noch fünf Runden vor mir lagen habe ich mich bemüht Tempo herauszunehmen. Anfangs noch kontrolliert. Ab der dritten Runde hatte ich gar keine Wahl mehr: Tempo war überhaupt nicht mehr möglich.

Die Helfer an den beiden VPs haben ganze Arbeit geleistet. Ich bin immer sehr froh und dankbar, dass sich bei solchen Läufen Menschein freiwillig hinstellen, viele Stunden ausharren und uns Läufer unterstützen. Ohne Helfer sind solche Sachen nicht vorstellbar. Allerdings fand ich den Haupt-VP am Ende der Runde in diesem Jahr etwas ungünstig organisiert. Im letzten Jahr stand da mehr oder weniger einfach ein Tisch mit den Helfern auf der einen Seite. Wir Läufer kamen von der anderen Seite heran. Und wenn es mal etwas voller war, konnte man sich einen Becher greifen und einen Schritt zurück treten, damit andere auch an den Tisch rankamen. In diesem Jahr wurde zwischen dem Tisch und einem Transportfahrzeug eine Gasse gebildet, durch die man hindurch musste. Am Anfang der Gasse standen die Becher, am Ende das Essen. Am Ende wurden dann auch die Runden für jeden Läufer abgehakt. Nun war die Gasse allerdings recht eng. Wer etwas zu Essen genommen hatte und noch einen Schluck trinken wollte stand plötzlich denen im Weg, die gerade getrunken hatten und zum Essen wollten. Und auch während des Trinkens konnte man nicht einfach mal einen Schritt zurück machen, um Platz für andere zu machen. Das fand ich insgesamt nicht ganz ideal. Aber irgendetwas zum Meckern kann man ja immer finden. Jeder wurde gut versorgt. Und da die meisten Läufer es nicht eilig hatten, war das alles auch kein echtes Problem.

Es waren bis zu 18 Grad und Sonnenschein angekündigt. Und so kam es auch. Ich hatte mich für eine Dreiviertelhose und ein kurzes Laufshirt sowie eine dünne Schirmmütze entschieden. In der ersten Runde war es noch einigermaßen kühl. Ab Runde zwei wurde es wärmer. In den Runden drei und vier war es beinahe unerträglich heiß. Runde fünf war wieder etwas angenehmer. Und in Runde sechs wurde es schließlich wieder kühler.

Meine Leistung entwickelte sich umgekehrt proportional zur Temperatur. Runde 1 war sehr schnell, Runde zwei ein wenig langsamer. Die Runden drei und vier habe ich im Kriechgang absolviert. In Runde fünf habe ich mich ein wenig erholt, wurde aber wieder schneller. Und Runde sechs konnte ich tatsächlich wieder fast normal laufen.

Ich liebe gutes Wetter. Und ich laufe auch gerne bei Sonnenschein. Aber gute und reichliche Verpflegung ist dabei unerlässlich. Die Veranstalter haben mit zwei VPs auf der 8,8 Kilometer Runde auch durchaus eine eigentlich gute Versorgungssituation hergestellt. Aber durch die ganzen Steigungen auf der Strecke brauchte ich mitunter eine dreiviertel Stunde um von einem VP zum nächsten zu kommen. Während der Mittagshitze bin ich in dieser Zeit regelmäßig ausgetrocknet. Und zwar so richtig. Das Körper eigene Kühlsystem funktionierte praktisch überhaupt nicht mehr. Selbst das Urinieren klappte nicht mehr so wie es eigentlich sollte. Es dauerte ungefähr einen ganzen Tag nach dem Lauf bis der Flüssigkeitshaushalt im Körper wieder normalisiert war. Ich habe an den VPs sehr viel getrunken. Aber viel Flüssigkeit auf einmal kann der Körper nicht wirklich verwenden. Also schwappte das Zeugs dann einfach eine Weile im Bauch herum, während ich dennoch weiter austrocknete. Beim nächsten VP habe ich mich dann aber nicht cleverer verhalten, sondern dasselbe wieder gemacht. Unterwegs habe ich einige Läufer mit Trinkrucksäcken gesehen. Jedesmal habe ich mich dann darüber geärgert, dass ich meinen nicht mitgenommen hatte. 8,8 Kilometer pro Runde mit zwei VPs. Eine Strecke, die ich kenne. Trinkrucksack oder Trinkgürtel kamen mir im Vorfeld lächerlich vor. Aber bei der Hitze wäre es genau das Richtige gewesen.

Einen Fehler habe ich vermutlich auch bei der Schuhwahl gemacht. Bei den Trainingsrunden im Januar und Februar bin ich mit Trailschuhen gelaufen. Es war an beiden Terminen stellenweise sehr matschig auf der Strecke. Die Trailschuhe waren deshalb ideal. Ich hatte sie aber nie für mehr als 20 Kilometer getragen. Beim PUM war es nun praktisch gar nicht matschig. Die Trailschuhe wären deshalb nicht erforderlich gewesen. Und nach etwas mehr als 20 Kilometern kamen dann die Schmerzen in den Füssen. Da waren noch mehr als 30 Kilometer zu laufen. Na super. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Fußprobleme wirklich von den Schuhen verursacht wurden oder ob es mehr Kopfsache war. Da es mir allgemein nicht so gut ging, hatte ich halt mit diversen Problemchen und Wehwechen zu kämpfen. Als ich nach dem Lauf frisch geduscht war, war mit den Füssen wieder alles in Ordnung. Ein echtes, ernsthaftes Problem hatte ich also offenbar gar nicht. Das mit den Schuhen war vermutlich Einbildung. Aber das werde ich genauer wissen, wenn ich sie das nächste Mal für einen längeren Lauf anziehe.

Den ganzen Lauf über hatte ich das Zeitlimit von 09:00 Stunden im Hinterkopf und habe herumgerechnet wie schnell ich sein muss um innerhalb dieses Limits zu bleiben. Ich wußte zwar, dass das Limit beim PUM nicht ganz so wichtig ist. Es ist keine harte Cutoff Zeit, deren Überschreitung zum Ausschluss aus dem Lauf führt. Beim PUM zählt das Ankommen. Das ist hier Leistung genug. Die Zeit ist Nebensache. Dennoch stand in der Ausschreibung, man habe 09:00 Stunden Zeit. Und ich wollte innerhalb dieser 09:00 Stunden ins Ziel kommen! Durch die schnelle erste Runde hatte ich zunächst ein komfortables Zeitfenster, dass dann aber recht schnell kleiner wurde. Ich war sehr froh, dass ich in Runde sechs fast wieder normal laufen konnte. Sonst hätte ich es nicht innerhalb der 09:00 Stunden geschafft.

So bin ich aber nach 08:51 Stunden ins Ziel gekommen und damit noch ein wenig unter dem Zeitlimit geblieben. Die Zeitmessung hat irgendwie nicht so recht funktioniert, was ich leider nicht mitbekommen hatte. Da ich die Zeit aber mit der Garmin gestoppt hatte, konnte sie per Hand nachgetragen werden. Sehr schön war der Zieleinlauf. Ich hatte beim letzten VP, ca. 750 Meter vor dem Ziel, noch eine Flasche Malzbier und einen Apfel als Zielverpflegung mitgenommen, da ich vor der Siegerehrung nicht mehr viel Zeit haben würde. So lief ich dann mit Flasche und Apfel in den Zielbereich, in dem einige Zuschauer, bzw. Läufer, die längst im Ziel waren, und der Musiker, von dem ich im letzten Jahr gar nichts mitbekommen hatte, saßen und standen. Da wurde ich beim Überqueren der Ziellinie noch einmal richtig schön angefeuert und bejubelt. Das ist ein netter Nebeneffekt des tollen Wetters. Im letzten Jahr war niemand draußen.

Die anderen Racebooker (Uwe-Heinz, Jan und Toni), die als Gruppe gelaufen sind, sowie Stefan, der mit uns zusammen nach Osnabrück gefahren war, kamen ca. eine halbe Stunde vor mir ins Ziel. Ich hatte zwischenzeitlich fast erwartet, dass sie mich irgendwann überrunden würden. Aber sie hatten auch mit Problemen zu kämpfen und konnten ihr anfangs hohes Tempo nicht bis ins Ziel durchhalten.

Unterwegs habe ich einige nette Leute kennengelernt. Mit einigen habe ich etwas länger gequatscht, mit einigen mehr oder minder ein Weilchen gemeinsam gelitten oder auch mal genossen. Insgesamt war es wieder ein sehr sympathisches Teilnehmerfeld. Die meisten Wiederholungstäter konnten ihre Vorjahresleistung nicht bestätigen, sondern sind, ähnlich wie ich, deutlich langsamer als 2013 unterwegs gewesen. Anscheind haben die äußeren Bedingungen nicht nur mir zu schaffen gemacht.

Wieviele Teilnehmer tatsächlich gestartet sind und wieviele gefinisht haben, habe ich gar nicht mitbekommen. Ich bin nur wenige Minuten vor Beginn der Siegerehrung ins Ziel gekommen. Dann brauchte ich eine ganze Weile um Toni zu finden. Ich hatte ihm den Autoschlüssel mitgegeben, da klar war, dass er vor mir ins Ziel kommen würde und weil er dann ja an seine Sachen kommen musste, die im Auto deponiert waren. Und dann habe ich schließlich geduscht. Das war vielleicht ein Genuss! Herrlich! Als ich fertig war, war die Siegerehrung, die beim PUM etwas länger dauert als bei anderen Veranstaltungen, bereits in vollem Gang. Ich habe nicht einmal mitbekommen, wer eigentlich gewonnen hat. Unterwegs wurde ich immer wieder von schnelleren Läufern überholt. Vermutlich haben mich einige davon überrundet. So ganz genau weiß ich das aber momentan nicht. Im letzten Jahr hat mich der Sieger sogar zweimal überrundet.

Der Lauf war in diesem Jahr alles andere als einfach. Zwischenzeitlich habe ich mich sogar ganz gewaltig gequält. Ans Aufgeben habe ich keinen Gedanken verschwendet. Und irgendwie war es trotz aller Anstrengungen und Problemchen trotzdem sehr schön. Der Lauf hat überwiegend Spaß gemacht. Und ich habe wieder viele nette Leute kennengelernt und einige andere wieder getroffen.

Die Medaille sieht gut aus und macht sich gut an meiner Medaillenwand. Das Finisher Shirt ist knallpink. Durchaus sehr auffällig, wenn man nicht zufällig in Köln wohnt. Die Veranstalter haben uns eindringlich nahegelegt mit den Shirts schön Werbung für den PUM zu laufen. Nun denn: Falls Ihr in der nächsten Zeit mal einen Läufer seht, der Euch an eine Kugel Himbeereis erinnert: Das könnte ich sein…

Im nächsten Jahr versuche ich wieder dabei zu sein. Allerdings findet der Lauf dann etwas später statt, am 18.04.2015. Hoffentlich klappt das!

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