Mein erster Doppeldecker (50 km + 42,195 km)

Am Wochenende bin ich meinen ersten „Doppeldecker“ gelaufen, also zwei Langstrecken an zwei aufeinander folgenden Tagen. Das war für mich eine außergewöhnliche und bereichernde Erfahrung.

Im letzten Jahr bin ich Mitte April den Tangermünder Elbdeichmarathon gelaufen; schon dort hatte ich beschlossen, dass es in diesem Jahr der anscheinend immer parallel dazu stattfindende Cuxhaven Marathon sein sollte. Ist ja auch viel näher an Bremen dran. Also habe ich mich praktisch sofort dafür angemeldet. Der Lauf steht nun also schon seit einem Jahr auf meinem Laufkalender.

Vor einigen Wochen habe ich dann erfahren, dass Helmut anlässlich seines 500. MaraUltras einen 50 km Ultra plante – und zwar am 12.04., also einen Tag vor Cuxhaven. Das gehört eigentlich in die Kategorie: „Schade. Da kann ich nicht. Ich laufe am nächsten Tag schon in Cuxhaven.“ Aber irgendwie reizte es mich doch. Ich hatte schon häufig mit Leuten gesprochen, die solche Doppeldecker gemacht haben. Und das klingt durchaus interessant. Ich wollte einfach mal wissen, wie sich so etwas anfühlt. Also habe ich mich angemeldet.

Damit stand der Plan für das Wochenende: Samstag 50 Kilometer bei Helmut und am Sonntag dann Cuxhaven Marathon. 92,195 Kilometer innerhalb von zwei Tagen. Oha…

2. Schmidt’s Kiefern Ultra

Am Samstag habe ich Stefan um 09:00 Uhr abgeholt. Pünktlich um 09:30 Uhr waren wir am Ort des Geschehens: Der Friedwald bzw. ein Waldstück „drumherum“ (Schmidt’s Kiefern) in Schwanewede. Also eigentlich gar nicht mal weit weg. Ich kannte die Gegend bisher überhaupt nicht.

Wir wurden freundlich begrüßt, wie immer in diesen Kreisen. Einige Starter kannte ich bereits, viele andere habe ich zum ersten Mal getroffen. Die meisten werden mir sicherlich und hoffentlich noch häufiger über den Weg laufen. Das war mal wieder ein sehr symphatisches Teilnehmerfeld. Und immerhin haben sich 25 Läufer eingefunden um hier gemeinsam ein paar Runden zu drehen.

Helmut und Olaf hatten eine 5 Kilometer Runde vermessen und markiert. Man konnte sich gar nicht verlaufen. Die Strecke war so gewählt und mit den Verantwortlichen Stellen abgestimmt, dass wir keinen Beerdigungen oder Trauerfeiern in die Quere kommen konnten, sondern in größerem Abstand um den Kern des Friedwalds herumgelaufen sind, wenn ich das richtig verstanden habe.

Nach 8 Runden, also 40 Kilometern, konnte jeder Läufer in sich hineinhorchen und entscheiden, was er machen wollte: Man konnte dann noch ein markiertes Pendelstück von insgesamt 2,195 Kilometern anhängen und somit insgesamt einen Marathon laufen oder noch zwei komplette 5 Kilometer Runden absolvieren und entsprechend den 50 Kilometer Ultra vollmachen.

Die Strecke war wunderschön. Waldwege und Trampelpfade. Fast kein Asphalt. Meistens durch Waldgebiet, gelegentlich auch am Rande davon vorbei an Pferdekoppeln und sogar an ein paar idyllischen Wohnhäusern vorbei. Gelegentlich liefen mir Bewohner und Spaziergänger über den Weg. Die Bewohner wußten anscheinend, was wir da machen und fragten Gelegentlich wie weit man denn sei und riefen einem ein „Sieht noch gut aus!“ hinterher. So freundlich wird man als Läufer auch nicht überall empfangen.

Die erste Runde lief ich mit Stefan gemeinsam zunächst in der Nähe von Olaf, später in der Nähe von Helmut. Die beiden hatten auch zwei besondere Stellen mit Sandkreisen am Boden markiert, an denen man zumindest einmal kurz stehen bleiben und sich umschauen sollte. Bei der ersten Markierung gab es ein Haus, in dessen Giebel Unmengen an Glasflaschen eingearbeitet waren. Sah sehr interessant aus. Bei der zweiten Markierung fand sich eine Gedenktafel zu Ehren des Namensgebers der Schmidt’s Kiefern.

Die erste Runde liefen wir geschätzt mit ca. 05:30 min/km Pace. Fühlte sich gut an. Sogar eher leicht. Als wir nach der Runde am Verpflegungsposten ankamen, der übrigens wie immer hervorragend ausgestattet war, hielt ich mich nicht allzu lange auf. Ein bissel was getrunken, ein paar Salzstangen und Gummibonbons gegriffen und weiter. Zunächst im Gehen in Ruhe essen und nach ca. hundert Metern wieder laufen. Ich nahm an, dass Stefan mich bald einholen würde. Warten wollte ich aber nicht. Bei langen Läufen versuche ich immer ein Tempo zu finden, von dem ich glaube, dass ich es eine ganze Weile durchhalten kann.

Irgendwie wurde ich aber immer schneller. Bis Kilometer 20 blieb meine Durchschnittspace deutlich unter 06:00 min/km. Dann kam die Mittagssonne heraus und machte mir doch ein wenig zu schaffen. Erstaunlich: Ich liebe gutes Wetter. Aber das war jetzt schon der zweite Lauf in diesem Jahr, bei dem mir die Sonne Schwierigkeiten bereitete. Aber schlimm war es nicht. Bis km 30 blieb ich immer noch bei ca. 06:00 min/km. Danach wurde ich ein wenig langsamer. Aber nicht, weil ich nicht mehr konnte, sondern weil ich an das restliche Programm für dieses Wochenende dachte: Noch 20 km hier und ein Marathon am nächsten Tag…

Irgendwann überholte mich der spätere Sieger des 50 km Laufs am VP und raste direkt mit einer Mordsgeschwindigkeit weiter. Da fiel mir auf, dass das an diesem Tag das erste Mal war, dass mich jemand überholt hatte. Ich hatte schon einige andere Läufer überrundet, wurde selbst aber nur einmal überholt. Hmmm… Kurz an die erste Runde gedacht… Ist da jemand vom Start weg schneller gelaufen und weggezogen? Neee, jedenfalls war mir das nicht aufgefallen. Demnach könnte ich ja tatsächlich auf Platz zwei stehen. Hui. Nicht schlecht. Wird bestimmt nicht bis zum Ende so bleiben, aber als Zwischenergebnis doch schön.

Ich bin es gewohnt auf Asphalt zu laufen oder auch auf festgetretenen Trampelpfaden/Trails. Hier gab es stellenweise recht weichen Boden. Mal ist man über Gras gelaufen und mal über irgendwie sehr weichen Waldboden mit vielen Baumwurzeln. Ich fand das sehr schön. Einige andere Läufer berichteten später, dass sie diese weichen Böden als anstrengend empfunden hätten. Ich habe in mich hineingehorcht und kann gar nicht sagen, was ich davon halte. Ich fand es nicht einfacher und auch nicht schwieriger als Asphaltstrecken. Insgesamt war die Strecke recht abwechslungsreich. Dass ich 10 Runden laufen musste, störte mich deshalb nicht. Und irgendwie kam mir an diesem Tag sowieso alles recht einfach vor.

Immer wieder sah ich einige Leute, die von der Marathonpendelstrecke Richtung Ziel liefen. Die hatten sich dann also nach 8 Runden für das Abkürzen auf Marathon entschieden. Das waren doch einige. Und als ich in meine letzte Runde aufbrach standen schon so viele Finisher im Ziel beim VP, dass ich schon das Gefühl hatte, dass fast alle auf Marathon umgeschwenkt wären. Überholt hatte mich bis dahin immer noch kein weiterer Läufer. Falls ich also am Start niemanden übersehen hatte, müsste ich eigentlich auf Platz zwei stehen. Ansonsten vielleicht auf Platz drei.

Beim Start in die letzte Runde dachte ich mir: „Bis hierhin hätte mich jederzeit jemand überholen können. Das wäre mir egal gewesen. Aber ausgerechnet in der letzten Runde möchte ich das nicht mehr. Jetzt will ich meinen Platz verteiden!“ Ich hatte keine Ahnung, ob da überhaupt jemand in Schlagweite hinter mir war oder ob sich überhaupt einer der anderen Läufer dafür interessiert hätte, mich zu überholen. Aber ich habe nun wieder stärker beschleunigt. Zur Hälfte der Runde habe ich in einer Kurve kurz nach hinten gelinst. Oha! War da ein Läufer mit weißen Shirt? Neee… 2,5 Kilometer vor dem Ziel will ich mich nicht mehr überholen lassen. Jetzt erst Recht: Schneller werden! Einen elendig langen Weg auf der mit Gras bewachsenen Mitte gelaufen, dann scharf links, die insgesamt ca. 5 Höhenmeter der Strecke hinauf, wieder geradeaus, dann scharf rechts und 150 Meter ins Ziel sprinten. Uhr gestoppt, umgesehen. Ne, da war niemand. Ich bin vor einem Geist weggelaufen. Das, was ich gesehen hatte, war vermutlich nur ein Spaziergänger.

Die Uhr habe ich bei 5:21 Stunden gestoppt. Für mich eine brutal gute 50 Kilometer Zeit. Uwe, der die Zeiten verwaltete, rief mir zu, dass ich Dritter sei. Es gab Gratulationen und natürlich ein alkoholfreies Finisherbier. Einige Zeit nach mir kam dann auch Stefan als nächster 50er ins Ziel und Schritt für Schritt dann auch alle anderen, die noch auf der Strecke waren.

Helmut wurde anlässlich seines Jubiläums natürlich besonders gefeiert und im Ziel empfangen. Und es gab auch einen weiteren Läufer, der gerade dort seinen 100. Marathon lief. Das war also ein echtes Doppeljubiläum. Nachdem wir uns im Ziel alle ein wenig ausgeruht und umgezogen hatten, ging es noch kurz in das Lokal um die Ecke, wo Helmut noch ein Getränk ausgab und herzhaft fachgesimpelt wurde.

Am nächsten Morgen schaute ich in die Ergebnisliste und freute mich doch ganz schön als ich sah, dass ich gar nicht Dritter, sondern Zweiter über die 50 km Distanz geworden war. Stefan war Dritter. Insgesamt hatte sich doch die knappe Mehrheit von 13 Läufern für die 50 km entschieden. 12 Läufer haben die Marathondistanz bewältigt. DNFs gab es keine.

Mein Fazit: Eine tolle Veranstaltung mit einer wunderschönen Laufstrecke und sehr symphatischen Teilnehmern. Das kann ich nur weiter empfehlen!

Nachdem der 2. Schmidt’s Kiefern Ultra irgendwie leicht beschwingt gelaufen war, habe ich Stefan wieder nach Hause gebracht und Grillzeugs gekauft. Dann ab nach Hause und den Grill angeworfen. Fleisch, Krautsalat, Kartoffeln und Tzatziki sind zwar sättigend, aber nach einem langen Lauf irgendwie nicht die richtige Nahrung. Zur Regeneration nach einem Lauf wäre viel Eiweiß sicherlich gut gewesen. Und angesichts des am nächsten Tags zu laufenden Cuxhaven Marathons wären viele Kohlenhydrate die richtige Wahl gewesen. So war es nichts Halbes und nichts Ganzes. Aber egal: Grillen macht Spaß und schmeckt gut.

Cuxhaven Marathon

Am Sonntagmorgen (13.04.2014) klingelte der Wecker wieder sehr früh. Nach dem üblichen Morgenritual (Zähneputzen, Duschen etc.) schnell Lauf- und Duschsachen zusammengewühlt, und um Punkt 07:40 Uhr stand Toni auch schon vor der Tür um mich abzuholen. Ab nach Cuxhaven.

Gefrühstückt hatte ich nicht. Mir war klar, dass mir heute ein Hungerast bevorstehen könnte. Als wir in Cuxhaven angekommen waren bin ich noch auf dem Weg zur Startnummernausgabe in einen Bäcker gestürmt und habe mir ein Käsebrötchen geholt. Mehr konnte ich so kurz vor dem Lauf nun auch nicht mehr essen. Aber so war immerhin ein wenig Nahrung im Körper.

Die Startnummern wurden im obersten Stock der Stadtsparkasse ausgegeben. Das war eigentlich sogar gut ausgeschildert. Wir brauchten totzdem ein paar Minuten um das zu finden, weil man das Gebäude durch einen Seiteneingang betreten muss. Zunächst standen wir suchend im Hauptraum der Sparkasse bei den Geldautomaten. An der Haupttür hätte ein Hinweisschild angebracht werden können. Wir waren nicht die einzigen Suchenden.

Als wir die Startnummern hatten wollten wir zur Kleiderbeutelabgabe. Und das war schon ein größeres Problem. Wir wußten, dass wir dazu eine Schule suchen mussten. Aber in Sachen Kleiderbeutelabgabe/Duschen/Schule war nichts ausgeschildert. Da mussten wir uns reichlich durchfragen. Wenn wir nicht so früh vor Ort gewesen wären, wären wir vielleicht langsam nervös geworden. Aber auch das haben wir gefunden. Alles gut.

Um 10:10 Uhr haben wir noch einige andere Racebooker zum obligatorischen Gruppenfoto getroffen. Toni und ich wollten im PUM Finishershirt laufen. Knallpink. Das kann auch nicht jeder tragen. Zugegebenermaßen: Ich auch nicht. Aber das war mir mal wieder total egal. Ein wenig quietschig sieht das Bild diesmal schon aus.

Der Lauf

Um 10:30 Uhr wurde der Lauf gestartet. Die Läufer der verschiedensten Distanzen (10km, Halbmarathon, 30km und Marathon) wurden gleichzeitig auf die Strecke geschickt.

Welche Strecke ein Läufer hatte konnte man an der Startnummer erkennen. Die wird in der Regel vorne getragen. Wenn man von hinten auf einen Läufer aufläuft oder einer an einem vorbeizieht, kann man nicht erkennen, ob er dieselbe Distanz läuft wie man selbst oder ob er gewissermaßen außer Konkurrenz läuft. Das ist ein wenig störend, da ich mich gelegentlich an den Leuten in meiner Umgebung orientiere und auch schon mal mitziehen lasse.

Das führte dazu, dass ich viel schneller unterwegs war als geplant. Zunächst mit einer Pace weit unter 06:00 min/km! Erstaunlicherweise fühlte sich das ziemlich gut an, trotz des Laufs am Vortag. Dann ging es auf den Deich hinauf. An dieser Stelle störten mich die Läufermassen doch ein wenig. Ich hatte mich beim Start recht weit hinten einsortiert. Die Folge davon war, dass ziemlich viele viel langsamere Läufer vor mir waren und den Weg blockierten. Das brachte mich doch ein wenig aus dem Tritt.

Als wir dann auf der anderen Seite unten am Wasser waren, kam der Schock: Wind! Aber heftig! War durchaus angekündigt; und auch der Sprecher hatte vor dem Start darauf hingewiesen. Aber zu wissen, dass es windig werden dürfte und tatsächlich in den Wind hineinzulaufen; das ist schon noch etwas Anderes. Fiese Sache. Fast alle wurden merklich langsamer.

Nach zwei oder drei Kilometern im Wind kamen wir an der Kugelbarke an. Dort gab es einen VP und es ging nach links weiter. Richtungsänderung. Gut. Dann wird es nun bestimmt besser. Aber Pustekuchen: Es ging auf die Strandpromenade und der Wind kam nun noch viel stärker und direkter von vorne. Das war das gemeinste Stück der Strecke. Auch noch einmal ca. ein Kilometer oder so. Dann kam eine Gabelung: 10 km und 30 km Läufer nach links, Halbmarathonis und Marathonis weiter gegen den Wind. Aber nicht weit. Dann kam ein Wendepunkt. Und das war irre: In der einen Sekunde harter Kampf gegen den Wind, dann Wendepunkt, und schlagartig war es als ob man Gewichtsmanschetten abgeworfen hätte.

Zurück zu der Gabelung und dann ab nach rechts hinter den Deich. Hier gab es nur noch wenig Wind – und wenn, dann kam er angenehm von hinten. Noch ca. 5,5 km bis zum Ende der ersten Runde.

Auf der Strecke gab es drei VPs. Einer davon war ca. 1,5 km vor dem Ende der Runde. Da kam man zu Beginn einer Runde und zum Ende vorbei. Faktisch konnte man pro Runde also viermal einen VP anlaufen. Das war für eine 10,5 km Runde wirklich super. Die Ausstattung war durchwachsen: Getränke spitze (Wasser, Cola und Iso Drink – und den habe sogar ich mit meinem Jammermagen gut vertragen). Essen nicht mein Ding (Banane, Orange, Apfel – zwar alles lecker, aber beim Laufen vertrage ich das nicht so recht; da wünsche ich mir Gummibonbons und Salzstangen). Aber da kann man es nicht immer jedem Recht machen. Jedenfalls gab es viel zu trinken – und das ist eh das Wichtigste.

Die Strecke war an Straßenkreuzungen abgesperrt. Man konnte also nicht einfach überfahren werden. alle paar hundert Meter saßen auch Helfer der Feuerwehr, vom THW oder Sanis. Im Problemfall wäre Hilfe also schnell vor Ort gewesen. Aber an einem Ort wie Cuxhaven kann man für einen Marathon schwerlich den Weg am Wasser oder die Promenade komplett absperren. Fußgänger und Fahrradfahrer schlenderten und teilweise auch rasten da also entlang als würde es keine Läufer geben. Das führte zu einer Reihe Fast-Kollisionen. Einmal kam kurz vor mir eine Frau mit ihren zwei Kinden überraschend von rechts auf den Weg. Die Mutter sah mich und blieb am Rand stehen. Die ältere Tochter sah mich nicht oder bemerkte nicht, dass die Mutter stehen geblieben war und ging auf die andere Seite des Wegs. Und zwischen sich hatten die beiden die jüngere Tochter an der Hand, die nun mitten auf dem Weg stand. Da blieb nichts anderes übrig als anzuhalten, vorsichtig vorbeizugehen und wieder loszulaufen. Wenn man gerade bei Kilometer 39 ist und zwischen km 36 und dem Schluss noch einmal alle Reserven mobilisiert ist das schon sehr unangenehm. Andere Läufer hatten Ähnliches zu berichten. Vor allem für die schnelleren Läufer war das sicherlich nicht immer leicht. Die mussten ja nicht nur an den Passanten vorbei, sondern nebenbei beim Überrunden auch noch an uns langsameren Läufern.

Runde 1 war ich insgesamt deutlich schneller gelaufen als erwartet. 10,5 Kilometer in ca. 61 Minuten. Vom gestrigen Lauf glaubte ich kaum etwas zu spüren. Aber ich merkte deutlich, dass ich mich allgemein schwach fühlte. Vermutlich fehlten meinem Körper schlicht Kohlenhydrate. Ich fühlte mich sehr platt. Aber grundsätzlich war alles in Ordnung. Ich konnte ohne Gehpausen durchlaufen – alle vier Runden hindurch.

Runde 2 war nach weiteren ca. 70 Minuten erledigt.

In Runde drei konnte ich am Wasser nicht mehr auf dem unteren breiten Weg laufen. Mittlerweile hatte die Flut ihren Höhepunkt erreicht und den unteren Weg überspült. Auf dem oberen Weg war es etwas unangenehmer. Den Wind hatte man dort natürlich auch. Der Weg war schmal und nicht alle Passanten haben Rücksicht auf uns Läufer genommen. Zusätzlich musste man an Durchgängen immer runter und wieder rauf laufen. Keine großen Steigungen. Aber eben Stellen, die einen etwas aus dem Tritt bringen. Und in dieser Runde war mein Schwächegefühl auch am größten. Sie dauerte ca. 75 Minuten.
Irgendwann während meiner dritten Runde wurde offenbar der 5 km Lauf gestartet. Er führte 2,5 Kilometer die Marathonstrecke entlang, hatte dort dann einen Wendepunkt und führte wieder zurück. Als ich am Ende von Runde drei an diesem Wendepunkt vorbeikam war gerade das Hauptfeld des 5 km Laufs ebenfalls etwa dort. Da wurde es noch einmal richtig wuselig und voll um mich herum. Da habe ich mich bemüht immer sehr weit rechts zu bleiben, damit die meistens ja schnelleren 5 km Läufer gut vorbeikamen. Das hat soweit wohl auch ganz gut geklappt. Jedenfalls hat keiner geschimpft.

In Runde vier war das Wasser wieder ein Stückchen zurückgegangen, so dass ich nun wieder auf dem unteren Weg laufen konnte. Mittlerweile waren auch nur noch Marathonis unterwegs. Alle, die ich nun also noch sah, hatten dasselbe Ziel wie ich: 42,195 km laufen und irgendwie noch die restlichen ca. sieben Kilometer durchziehen. Mit dem Einen oder Anderen habe ich kurz geschnackt. Das verkürzt die Zeit immer ein wenig.

Am Anfang der Wasserstrecke war der Wind wieder recht übel. Ich wurde sehr langsam. Aber dann passierte es: Der Wind ließ nach. Und zwar kräftig. Die Sonne brannte mir angenehm auf den Pelz und kaum noch Wind. Also munter weitergeschlappt. Zum letzten Mal beim VP an der Kugelbarke angekommen. Der gute Mann dort dachte zunächst ich sei der letzte Läufer und sagte dann „Ach, da kommt ja noch einer!“ als ein weiterer Läufer angetrabt kam. In Wirklichkeit waren noch ein paar Läufer hinter mir. Und selbst wenn nicht, muss man mir doch nicht 5 Kilometer vor dem Ziel auf die Nase binden, dass ich weit hinten bin. Ich finde es viel besser, wenn da positive Dinge gesagt werden wie: „Ist nicht mehr weit! Gleich hast Du es geschafft!“. Aber nicht: „Kommt da noch jemand? Echt?“.

Nun ging es also zum letzten Mal die Promenade entlang. Und schon wieder ein Schock: Hier war der Wind ungebrochen unangenehm. Vor mir sah ich nun aber einen Läufer, dem ich bereits seit ca. zwei Runden auf den Fersen war, den ich aber nicht einholen konnte. Er schien Probleme zu haben und wurde langsamer. Und tatsächlich konnte ich ihn einholen und vorbeiziehen. Und auch einen weiteren Läufer konnte ich an der Promenade einholen.

Zum letzten Mal der Wendepunkt. Und wieder dieses Gefühl der Erleichterung, als hätte man einen Rucksack voller Steine geschleppt, den man nun ablegen durfte. Lust und ein wenig Ehrgeiz kamen zurück. Ich wollte die letzten paar Kilometer ordentlich laufen – und ich wollte nicht wieder von denen überholt werden, an denen ich mich gerade so mühevoll vorbeigequält hatte. Also wieder beschleunigen. Und erstaunlicherweise ging das. Zwar nur auf ca. 6:10 min/km, aber immerhin. Nach ca. 90 Kilometern innerhalb von zwei Tagen nicht schlecht.

Und nun wollte ich einfach nicht mehr langsamer werden. Einmal musste ich anhalten (siehe oben), ansonsten konnte ich tatsächlich mit dieser Pace bis ins Ziel durchlaufen und dabei sogar noch einige weitere Läufer einsammeln.

Nach 4:37:18 Stunden kam ich ins Ziel. Nicht wirklich schnell, aber absolut ok. Wenn man bedenkt, dass ich am Vortag die Marathonmarke nach ca. 4:30 Stunden überquert hatte, war ich insgesamt sogar gar nicht mal so langsam unterwegs. Der Cuxhaven Marathon fiel mir allerdings nicht so leicht wie der Lauf am Vortag.

Fazit: Es war schön mal wieder mit ein paar Racebookern und vielen anderen bekannten Gesichtern zu starten, die man unterwegs an den Pendelstücken immer mal grüßen oder abklatschen konnte. Aber insgesamt war es mir zu windig und es sind einfach zu viele Passanten auf der Strecke. Außerdem irritiert es, dass man nicht von hinten erkennen kann, wer welche Strecke läuft.

Gesamtfazit

Ich habe einen Doppeldecker geschafft. 92,195 Kilometer innerhalb von zwei Tagen. Das hätte ich im letzten Jahr vermutlich nicht hinbekommen.

Wenn man bedenkt mit welch schlechtem Training ich in die Saison gestartet bin und wie schwierig einige der bisherigen Läufe für mich waren, kann ich mehr als zufrieden sein. Mittlerweile fühle ich mich wieder recht fit und bin zuversichtlich, dass ich auch die restlichen Herausforderungen der noch jungen Saison meistern werde.

Am Samstag hatte ich nach dem Lauf keinerlei Beschwerden. Und am Sonntag konnte ich auch sofort loslaufen als wäre Samstag gar nichts gewesen. Die meisten Leute haben mir davon berichtet, dass man erst einmal einige Kilometer einlaufen muss um die Beinmuskulatur wieder weich zu bekommen. Damit hatte ich gar kein Problem.

Nach dem Cuxhaven Marathon habe ich meine Beine dann aber doch gemerkt. Und auch heute, einen Tag später spüre ich, dass ich etwas getan habe. Nicht schlimm. Nicht einmal ein echter Muskelkater, aber das kleine Gefühl etwas getan zu haben. Ich glaube, ich könnte heute noch einen Marathon laufen. Schade, dass ich das nicht ausprobieren kann.

Irgendwo muss es doch eine Grenze geben?!?

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Kategorien: Veranstaltungen | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Mein erster Doppeldecker (50 km + 42,195 km)

  1. Nicht jede Grenze muss überschritten werden, liber Danny…

  2. jan

    Mach doch einen Feierabendmarathon und schreibe Olaf an 🙂
    Ps Wahnsinn, meinen Respekt, Danny…

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