17. Helgoland Marathon

Am Wochenende war ich beim 17. Helgoland Marathon unterwegs. Ein seit langem geplantes Ereignis, das dennoch merkwürdig und etwas unerwartet verlief. Trotzdem (oder gerade deshalb?) ein sehr schönes Wochenende.

Zum Helgoland Marathon haben sich viele Läufer angemeldet, die ich kenne. Vor allem die Racebooker und Streakrunner wollten mit kleinen Gesandtschaften anreisen. Nicole (Streakrunnerin), Elke (Streakrunnerin), Toni (Racebooker und Streakrunner), Markus (Racebooker und Streakrunner), Inno (Racebooker und Streakrunner), Dirk (Racebooker) und ich wollten gemeinsam die Insel rocken.

Anreise mit Hindernissen

Aber das Unternehmen „Fuselfelsen erobern“ lief gleich von Anfang an unplanmäßig an. Am Freitag startete ich pünktlich um 07:30 Uhr mit meiner Frau (Simone). Wir holten meine Schwiegermutter (Erika) und eine Freundin der Familie (Sonja) ab. Während ich mich am Wochenende vor allem auf den Lauf und das Drumherum (Startnummern abholen, Trainingslauf mit den anderen Streakrunnern/Racebookern, Marathon, Siegerehrung, After-Run-Party etc.) konzentrieren wollte, wollten „meine Mädels“ das Wochenende für einen Helgoland Ausflug nutzen und sich die Insel genauer anschauen. After-Run-Party und die Zeit danach wollten wir dann gemeinsam verbringen.

Etwas später als geplant, gegen 08:30 Uhr, verließen wir schließlich Bremen Richtung Bremerhaven. Dort ging es auf die Fähre nach Helgoland, die „MS Fair Lady“. Auf der Fähre wollte ich dann Markus, Inno, Toni und Julia (Tonis Freundin) treffen. Dirk war mit seiner Familie bereits am Donnerstag angereist. Nicole nahm die Fähre von Büsum und Elke reiste über den Katamaran aus Hamburg an.

Als wir in Bremerhaven ankamen musste ich einen Parkplatz suchen, auf dem ich mein Auto für ein paar Tage abstellen konnte. Der naheliegende Parkplatz erlaubte nur eine Höchstparkdauer von sechs Stunden. Ich rief kurz Toni an um zu fragen, wo er denn geparkt hat. Da kam die böse Überraschungsnachricht Nummer eins: Er stand mit Julia in Bremen Nord am Straßenrand, hatte eine Panne und wartete auf den ADAC. Sie würden es wohl nicht mehr rechtzeitig zur Fähre schaffen. Oha. Das war ja mal Mist. Er hatte mir das auch schon eine halbe Stunde vorher per Facebook geschrieben, aber weil ich ja gefahren bin, hatte ich das noch gar nicht gelesen.

Später stelle sich heraus, dass der Schaden am Auto nicht so groß war (Glück im Unglück). Dennoch verpassten die beiden leider die Fähre und damit den Marathon.

Nachdem ich dann den Wagen im Parkhaus des Conference Centers abgestellt hatte und wieder an Bord war, las ich die Nachrichten des Morgens auf Facebook. Und Donnerschlag: Markus hatte geschrieben, dass er seinen Wecker nicht richtig gestellt hatte und dass er und Inno die Fähre ebenfalls nicht erreichen würden. Auch für sie war das Unternehmen „Helgoland Marathon“ also beendet, bevor es überhaupt begonnen hatte.

Das war richtig schräg: Gleich drei Läufer plus eine Begleitperson aus unserer Truppe konnten die Reise nicht antreten.

Alle anderen erreichten allerdings wie geplant ihre Fähren, die auch alle einigermaßen pünktlich auf Helgoland ankamen.

„Meine Mädels“ und ich hatten eine Unterkunft im Oberland gebucht. Toni und Julia hätten eigentlich ebenfalls dort unterkommen sollen. Nachdem wir unser Gepäck hochgeschleppt hatten, stellten wir fest, dass Straßenschilder nicht wirklich eine Stärke der Helgoländer sind. Straßenschilder passieren schon mal, sind aber nicht üblich. Dank eines Straßenplans und der geringen Größe der Insel hatten wir aber keine Probleme unser Haus zu finden.

Da war aber niemand. An der Tür stand ein Hinweis, dass wir den Schlüssel bei der Vermieterin abholen sollten. Eine Adresse stand auch dran: „Am Falm 303“. Hmmm… Ok… Wo mag das sein? Keine Ahnung. Also haben wir einfach mal jemanden gefragt. Zum Glück war das kein Tourist, sondern jemand, der sich auskannte. Am Falm ist der Promenadenweg am Oberland, also der Weg, der am Fahrstuhl und den Treppen etc. vorbeiführt. Dort angekommen, mussten wir also nur noch die Hausnummer 303 finden. Hmmm… Hausnummer, Hausnummer… Wo sind denn hier Hausnummern? Nichts zu sehen. Also bin ich in einen Laden gegangen und habe gefragt, wo denn die Hausnummer 303 sei. Dabei stellte sich gleich bei drei Läden heraus, dass dort niemand in Hausnummern denkt. Die Leute kannten nicht einmal die Hausnummer des Ladens, in dem sie arbeiteten.

Nach einiger Sucherei fanden wir aber doch zumindest eine Hausnummer „307“ und haben dann in die vermutete Richtung Häuser abgezählt und schließlich auch das richtige Haus gefunden und unseren Schlüssel bekommen.

Meine Güte… Vor drei Wochen bin ich nachts durch dunkle Wälder gelaufen und hier finde ich mich tagsüber mitten in der Zivilisation nicht zurecht.

Vor dem Lauf

Ab 15:00 Uhr konnte man die Startunterlagen abholen. Um 15:20 Uhr sollte ein Briefing stattfinden, bei dem auf Besonderheiten der Strecke und des Laufs hingewiesen wurde. Dort wollte ich die Anderen treffen.

Dirk lief mir auch direkt bei der Abholung der Startunterlagen über den Weg. Das war kein Problem, da wir uns ja kannten und deshalb auch problemlos erkannten. Nicole und Elke hatten wir bis dahin allerdings nie persönlich getroffen. Also versuchte ich mich mit ihnen per Handy zu verabreden. Leider gab mein Akku mal wieder den Geist auf – kurz vor Beginn des Briefings. Elke und Nicole hatten einen Platz für mich reserviert und verteidigten den Stuhl verbissen gegen die hereinströmende Menschenmenge, nicht ahnend, dass ich mit Dirk am anderen Ende des Raums saß und hoffte, dass sie meine letzte gesendete Botschaft noch sehen und Ausschau nach mir halten würden.

Das Briefing war durchaus interessant. Der Vortragende erzählte ausführlich, was uns erwarten würde: Erstaunlich viele Höhenmeter, ein sehr steiler Aufstieg („Düsenjäger“), ein sehr welliges Profil mit vielen Höhenmetern im Oberland, starker Wind, ggf. Regen, ein langer und steiler Downhill über das Mittelland zu den Hummerbuden, ein Lauf in das Wellenbrecherbecken, wieder zurück und noch einmal daran vorbei. Das Ganze ging immerhin über fünf Runden. Er lieferte auch einige Hintergründe über Bauarbeiten auf der Insel, aktuelle Einsätze des Kampfmittelräumdienstes und die Gründe, warum in diesem Jahr leider keine Mole belaufen werden konnte. Das alles wurde mit einer Dia Show unterlegt. Eigentlich ein sehr guter Vortrag. Für jemanden, der die Insel vor 12 Jahren zum letzten Mal besucht hatte und nicht mehr wirklich kannte, war das alles allerdings auch ein wenig verwirrend, da ich mit vielen Angaben („nach dem Düsenjäger nach rechts und dann wieder nach links Richtung Schule“) nichts anfangen konnte. Nachträglich hat sich das allerdings doch zu einem schönen Gesamtbild zusammengefügt. Und auch während des Laufs habe ich gemerkt, dass das Briefing sinnvoll war, da mich die Konstellation beim Wellenbrecher sonst vielleicht doch etwas verwirrt hätte.

Nach dem Vortrag suchte ich eine Steckdose. Ich hatte mein Netzteil vorsichtshalber mitgebracht. Im eigentlichen Hauptsaal der Nordseehalle (bei der Ausgabe der Startnummern) fand ich eine Steckdose und schrieb eine kurze Nachricht an Nicole und Elke. Und prompt winkten einige Mädels und riefen: „Da isser!“ Hatten wir uns also doch noch gefunden. Schön.

Eigentlich wollten wir am Freitag noch mit einer größeren Gruppe einen kleinen lockeren Lauf in Angriff nehmen. Aber die Truppe war ja leider nicht komplett. Und Dirk hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass er zu jener Zeit an einer Bunker Führung teilnehmen würde. Blieben also noch Nicole, Elke und ich. Wir verabredeten uns für 17:00 Uhr und waren auch alle pünktlich da. Da wir uns nun auch leicht erkannten, lief diesmal alles problemlos.

Wir drehten eine kleine Runde im Unterland, liefen einmal den Düsenjäger hoch (jawohl: LIEFEN!), dann wieder herunter und noch einmal dieselbe Runde im Unterland. Das dürften ca. 3,5 Kilometer gewesen sein. Ein schöner Lauf mit nettem Gequatsche. Dann verabschiedeten wir uns und ich lief noch einmal den Düsenjäger hoch. Diesmal allerdings nur zur Hälfte. Den Rest ging ich. Das Ding ist wirklich steil.

Der Marathon

Am Samstag ging ich nach dem Frühstück pünktlich um 08:00 Uhr mit meinem Kleiderbeutel Richtung Nordseehalle im Unterland. Dort gab ich den Kleiderbeutel ab und begab mich langsam und gemütlich in Richtung Startbereich. Der Mini Marathon (ein 5,8 Kilometer Lauf, der eine Teilrunde des Marathons entlangführt) sollte um 09:00 Uhr starten, der Marathon um 09:15 Uhr. Ich war also durchaus recht früh dran. Dennoch wunderte ich mich, dass ich fast ganz alleine war. Im Oberland hatte ich nur vereinzelt Menschen gesehen. In der Nordseehalle war der junge Mann, der den Beutel entgegennahm, sichtlich überrascht, dass da schon jemand auftauchte. Der Startbereich wurde gerade erst aufgebaut. Und auch da waren kaum Menschen zu sehen. Dabei war der Morgen wunderbar, der Wind hielt sich in Grenzen – und sogar ein wenig Sonne war zu sehen.

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Langsam aber sicher füllte sich der Platz dann aber doch. Und ich traf jede Menge Leute. Einige, die ich bereits von anderen Läufen kannte, einige, die ich zwar nicht wirklich kannte, aber schon gesehen hatte, und einige, die ich zwar nicht kannte, die ich nun aber kennen lernte. Ich hatte mein Racebooker Shirt an und war gut als solcher zu erkennen. Und da ich ein pinkes Langarmshirt unterhatte, war ich doppelt gut zu sehen. Plötzlich rief mir jemand zu: „Wir kennen und doch, oder? Aus Solingen!“. Ich musste kurz überlegen. Dann machte es Klick. Solingen – da war ich im September beim Wupperberge Marathon. Ja, klar. Da hatte ich vor dem Start mit jemandem gequatscht, der vom Helgoland Marathon geschwärmt hatte. Und nun erkannte ich ihn auch wieder: Das war Dennis. Samt Familie. Netter Kerl. Nette Familie. Also haben wir erst einmal ein Weilchen gequatscht. Wir hatten ja noch Zeit.  Er wollte in diesem Jahr allerdings nicht den Marathon laufen, sondern mit seiner Tochter zusammen den Mini Marathon.

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Auf dem Weg zum Marathonstart lief mir dann auch Dirk mit seiner Familie über den Weg. Wir hatten noch etwas Zeit. Also quatschten wir noch ein bissel, bevor seine Familie den Spielplatz stürmte und wir die restlichen paar Meter zum Start spazierten. Dort suchten wir Nicole und Elke, die wir aber zunächst nicht entdecken konnten. Dann kam der Countdown. Dirk würde viel schneller laufen als ich. Das war klar. Also haben wir uns schnell gegenseitig Spaß und Erfolg gewünscht und uns verabschiedet. Der Start. Garmin: Gestartet. Runtastic: Ges.. Nein, halt, was ist das. „Aktivität fortsetzen?“ – Hä? Nein! Dann wieder der Startbildschirm. Läuft das nun? Nein. Mist. Noch einmal. Und wieder die Frage. Dann der Hinweis, ich könne mir doch ein „Runtastic Music“ oder sowas installieren. Hallo? Ich will hier einen Marathon laufen. Nun starte endlich, Du blödes Ding. Da hat sich die App offenbar mal wieder selbst aktualisiert und bombardiert mich nun mit Blödsinn, statt einfach zu starten. Mist. Ich laufe bereits. Sehr langsam. Und nach ca. ein bis zwei Minuten habe ich das Ding endlich am Laufen. Ich war mir nicht ganz sicher, aber ich wollte nun auch irgendwann mal richtig loslaufen. Ob nun mit Runtastic oder ohne. Ist ja eh nur ein Spaß Gadget. Die eigentliche Aufzeichnung macht für mich die Garmin. Und selbst das ist nicht viel mehr als Spaß. Also Armtasche festgeschnallt und nun endlich richtig los.

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Durch dieses Problemchen war ich nun bereits sehr weit hinten im Feld. Aber das macht nichts. Ich hatte es nicht eilig. Insgesamt waren es ca. 200 Marathon Starter und ca. ebenso viele Mini Marathon Starter. Die Minis waren zwar 15 Minuten vor uns gestartet, es war aber zu erwarten, dass wir die langsameren Minis noch einholen würden. So kam es auch. Und insgesamt rechnete ich damit, dass immer irgendwelche Läufer in meiner Nähe sein würden. Jede Runde hatte ca. 8,5 Kilometer, die erste war 195 Meter länger. Bei ca. 200 Läufern befinden sich eigentlich immer genügend Läufer in jedem Streckenabschnitt. Man muss hier nicht einsam seine Runden drehen.

Der Marathon beginnt im Unterland mit einer flachen Runde. Weitestgehend der Abschnitt, den ich am Vortag mit Nicole und Elke gelaufen war. Noch ein paar Hundert Meter bis zu einem sehr engen Weg, auf dem man nicht überholen konnte. Und kurz danach würde ein Holzplankenweg kommen, der ebenfalls recht schmal war. Ich war nun in einer Gruppe unterwegs, die langsamer unterwegs war als ich gerne wollte. Da wollte ich nicht unbedingt festhängen, wenn die engen Stellen kommen. Also habe ich ein wenig beschleunigt und bin direkt Elke und Nicole über den Weg gelaufen, die gemeinsam unterwegs waren. Wir haben uns kurz gegrüßt und viel Erfolg gewünscht. Danach habe ich noch ein wenig weiter beschleunigt. Keine 50 Meter vor mir konnte ich Dirk sehen. Aber aufschließen war vor dem engen Bereich nicht mehr möglich. Nun war ich aber in einem Läuferfeld, dass ca. 5:20 min/km lief. Zu Beginn eines Marathons eine sehr angenehme Geschwindigkeit. Mit dieser Geschwindigkeit kann ich zwar keinen Marathon durch laufen. Da ich aber jeden Lauf wie ein blutiger Anfänger viel zu schnell beginne und mich nicht daran störe, dass ich irgendwann langsamer werde, ist das für mich eine schöne Anfangsgeschwindigkeit.

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Nachdem der Weg wieder breiter wurde, konnte ich erneut beschleunigen und Dirk kurz vor dem Düsenjäger tatsächlich einholen. Er hat sich ein wenig gewundert, dass ich plötzlich neben ihm auftauchte. Aber dann fiel ihm wohl ein, dass ich ja eine „etwas andere Strategie“ verfolge als vernünftige Menschen. Wir liefen gemeinsam zum Düsenjäger und sprachen noch kurz über das Trainingsspiel, das ich neulich mit Toni gespielt hatte. Stichwort: „BEEEEEEERG!“ (Siehe anderer Blog Eintrag.)

Und als wir am Düsenjäger ankamen und die Läufer vor mir vom Laufen ins Gehen wechselten, konnte ich es mir nicht verkneifen und rief „BEEEEERG!“ und beschleunigte. Dirk lachte ein wenig, hielt aber Schritt. Kurz nach der Hälfte des Düsenjägers wechselte ich dann allerdings auch in einen schnellen Gehschritt. Dirk zog locker an mir vorbei. Klasse Technik und tolle Kondition!

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Kurz nach dem Düsenjäger holte ich ihn aber wieder ein. Erneut war er etwas verwundert. Die Strecke war nun wie angekündigt sehr wellig, aber dennoch eigentlich schön zu belaufen. Der Ausblick hier oben ist in jede Richtung einfach der Wahnsinn. Egal, wie das Wetter gerade ist. Da oben zu sein, und zu sehen, auf welch kleiner Insel im riesigen Gewässer man sich befindet, ist atemberaubend. Für den Lummenfelsen oder die „Lange Anna“ etc. hatte ich während des Laufs keinen echten Blick. Kannte ich ja auch schon und würde ich mir am nächsten Tag ohnehin noch einmal anschauen. Noch schien die Sonne. Ich fragte mich, ob ich vielleicht zu warm angezogen sein könnte. Wir rannten recht flott vor uns hin. Wenn ich auf die Uhr sah, stand da eigentlich immer etwas in der Gegend 05:15 bis 05:25 min/km. Eigentlich eher meine HM Pace. Nichts für einen Marathon. Aber ich hatte richtig Lust aufs Laufen und Spaß dabei. Warum also nicht mal ein Weilchen überpacen? Schließlich kamen wir zum langen und steilen Downhill. Ich mag so etwas. Da habe ich richtig rollen lassen und gleich reihenweise Läufer eingesammelt. Als ich an einer langsameren Stelle kurz auf die Uhr sah stand da 03:51 min/km. Sogar Dirk blieb da ein Stückchen hinter mir. Das hat Spaß gemacht.

Nun ging es zum Wellenbrecherbecken. Dirk holte mich natürlich schnell wieder ein. Einmal das ganze Becken entlang, Wendepunkt mit Verpflegung, wieder das Becken zurück und dann neben dem Becken wieder weiter. Dirk erzählte mir an solchen Stellen, welche Unterschiede es gegenüber dem Vorjahr gab oder welche Besonderheiten es an welchen Stellen gab oder im Vorjahr gegeben hatte. Das war ein wenig wie ein Sightseeing Lauf. Hat Spaß gemacht. Die erste Runde beendeten wir gemeinsam nach ca. 45 Minuten. Wir waren also mit einer Durchschnittspace im unteren 5er Bereich unterwegs. Uns beiden war klar, dass ich das keine fünf Runden durchstehen würde. Die erste Runde hat aber richtig viel Spaß gemacht. Ich verabschiedete mich kurz von ihm und drosselte mein Tempo. Ich werde lieber kontrolliert langsamer und halte das dann lange durch als irgendwann vom Hammermann erwischt zu werden.

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Die zweite Runde war aber gar nicht so viel langsamer, obwohl es nun auffrischte und etwas Wind aufkam. Ich beendete sie nach insgesamt 1:33 Stunden. Also nur drei Minuten langsamer als die erste Runde. Das war immer noch deutlich zu schnell. Aber ok. Den Anfang der dritten Runde im Unterland kann ich ja so weiterlaufen. Aber im Oberland sollte ich dann langsamer machen, um nicht zu viele Körner zu verbrauchen. Gesagt, getan. In dieser Runde hätte ich im Oberland aber auch gar nicht mehr schnell laufen können, denn nun wurde es da oben richtig windig.

In Runde vier nahm der Wind noch einmal gewaltig zu. An manchen Stellen kamen so heftige Windstöße von vorne oder der Seite, dass ich wirklich dachte, ich könnte umgeweht werden. In dieser Runde war der Wind auch im Wellenbrecherbecken deutlich unangenehm zu spüren.

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Dennoch startete ich gut gelaunt in die fünfte und letzte Runde. Da ich am Anfang sehr schnell unterwegs war und weil die Bedingungen doch recht fies waren, rechnete ich fast sicher damit, dass mich nun irgendwann der Mann mit dem Hammer erwischen müsste. Kurz vor dem Düsenjäger holte mich ein anderer Läufer ein, der die ganze Zeit über mal kurz vor und mal kurz hinter mir war. Wir quatschten ein wenig. Ich rechnete in Erwartung des Hammermanns damit, dass ich ca. 4:45 Stunden brauchen würde – vor dem Lauf hatte ich sogar mit ca. 5:00 Stunden gerechnet. Er rechnete mir aber vor, dass ich, selbst wenn ich nun deutlich langsamer werden würde, immer noch unter 4:30 Stunden bleiben dürfte. Das war eigentlich eine sehr schöne Aussicht.

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Wir sind gemeinsam den Düsenjäger hochgeklettert und noch ein Stückchen gemeinsam gelaufen. Und während ich jederzeit den Hammermann erwartete, der aber einfach nicht kam, musste mein Begleiter schließlich irgendwann im Oberland abreißen lassen. In Runde fünf hatten sich die Wettergötter neben dem Wind noch eine Feinheit einfallen lassen und starken Regen heruntergeschickt. Sehr nett. Naja. Jedenfalls kam ich immer noch prima voran. Und was habe ich kürzlich im Streakrunner Forum gelernt: Regen ist gar nicht so schlimm. Das Meiste fällt ja eh daneben. Es ging wieder den Downhill hinunter. Ich lief ihn wieder flott, aber doch moderater als noch in der ersten Runde. Unten erwartete mich eine Überraschung: Dirk hatte bereits gefinisht und war gerade mit dem Finisher Bier in der Hand auf dem Weg zu seiner Unterkunft im Unterland als er mich sah und noch schnell abklatschte. Er wußte, dass ich nun die Wellenbrecherschleife laufen musste und in ca. drei Laufkilometern an seiner Unterkunft vorbei kommen würde. Er positionierte sich geschickt und wartete ab. Als er mich sah, sprintete er aus dem Haus und schloss zu mir auf um meinen letzten Kilometer mit mir gemeinsam zu laufen. Was für eine tolle Aktion: Eine halbe Stunde nach dem eigenen Marathon Finish noch einen anderen Läufer auf seinem letzten Kilometer begleiten. Eine super Motivation!

Und somit war ich gleich doppelt motiviert: Ich hatte nämlich kurz vorher noch ein paar Läufer überholt, die ich nun auch hinter mir lassen wollte. Und da ich noch immer genügend Kraftreserven in mir spürte, legte ich noch einen 200 Meter Zieleinlaufsprint ein und stoppte meine Uhr nach 4:23 Stunden.

Für mich eine super Zeit – sogar meine drittbeste Marathonzeit bisher überhaupt. Und das, obwohl die Strecke und das Wetter recht anspruchsvoll waren. Was für ein toller Lauf!

Ich quatschte noch ein wenig mit Dirk und mit einigen der Läufer, die ich unterwegs getroffen und mit denen ich dann und wann mal geschnackt hatte. Da ich nicht wußte, wo Elke und Nicole waren, beschloss ich, nicht auf sie zu warten. Obwohl ein netter Feuerwehrmann mir gleich nach der Zieleinkunft eine warme Decke um die Schultern legte, wurde mir langsam doch kalt. Ich ging also in Richtung Nordseehalle um meinen Kleiderbeutel abzuholen und im Schwimmbad zu duschen. Unterwegs traf ich Dennis erneut, der mit seiner Tochter unterwegs war. Die beiden hatten mich nach ihrem eigenen Lauf in Runde drei oben am Düsenjäger angefeuert. Das war klasse!

Nach dem Lauf

Nachdem ich geduscht hatte, ging ich wieder ins Oberland. Eigentlich wollte ich den Düsenjäger noch einmal hinaufgehen, entschied mich aber doch für den Weg über die Treppen. Nun konnte ich mich ein wenig ausruhen.

Am Abend ging es dann erneut, diesmal zusammen mit meinen Mädels, in die Nordseehalle, wo ich sogleich Dennis wieder traf. Dort fand die Siegerehrung statt. Gesamtwertungen, Gesamtwertungen Mann/Frau, Altersklassenwertungen, Mannschaftswertungen, Sonderpreise. Dann ja auch noch die Wertungen für den Mini Marathon. Da wurden reichlich Pokale vergeben. Nicole und Elke standen in ihren Altersklassen auch auf dem Treppchen und sicherten sich jeweils einen Pokal. Das war klasse!

Danach fand noch die After-Run-Party mit live Musik statt.

Und als Besonderheit bei diesem Ereignis konnten wir in der Nacht noch in Simones Geburtstag hineinfeiern.

Am nächsten Tag gab es noch ein wenig Kultur und Natur, dann ging es Richtung Fähre. Bei uns lief wieder alles wie geplant. Für viele Andere gab es aber eine böse Überraschung: Da das Wetter sehr schlecht geworden war, fiel die Fähre nach Büsum aus. Nicole bestieg deshalb kurzerhand einen Flieger. Die meisten Fahrgäste der Büsum Fähre mussten nun aber mit uns nach Bremerhaven fahren und von dort aus dann mit Bus und Fähre weiter nach Büsum – und danach meistens ja noch mit dem Auto weiter ans eigentliche Ziel. Eine echte Strapaze. Und wegen des schlechten Wetters war auch der Wellengang nicht ohne. Genauer: Er war heftig. Ich bin normalerweise extrem empfindlich in dieser Hinsicht. Deshalb schluckte ich eine Tablette gegen Übelkeit, die Sonja mir empfohlen hatte. Das Ding wirkt Wunder. Während die Schiffsbesatzung damit zu tun hatte K..ztüten zu verteilen und die Leute zu betreuen, die mit Übelkeit und Kreislaufproblemen zu kämpfen hatten, ging es mir bestens. Normalerweise wäre ich der Erste an der Reeling gewesen.

Fazit

Der Helgoland Marathon ist sehr gut organisiert. Es ist ein sehr schöner Lauf. Die Strecke wird auch nach mehreren Runden nicht langweilig. Wenn der Wind kommt und einen ärgern will, kann man sich einfach umschauen und den Ausblick genießen. Dann weiß man sofort wieder, warum man eigentlich da ist. Der Lauf hat viele tolle Helfer, die über viele Stunden hinweg dem Wetter trotzen und die Läufer unterstützen. 4 VPs auf einer 8,5 km Runde sprechen für sich.

Man kann auf Helgoland keine Zuschauermassen wie bei einem Stadtmarathon erwarten. Aber dennoch wurden wir bis zum Schluss von einigen Zuschauern am Straßenrand angefeuert. So gab es in jeder Runde oben am Düsenjäger aufmunternde Rufe und tosenden Applaus. Im Oberland hielt ein Mann tapfer die Stellung und jubelte jedem einzelnen Läufer zu. Eine Gruppe junger Leute hat sogar bei dem Wetter dort oben gegrillt und ebenfalls jedem Läufer zugejubelt. Meine Lieblingszuschauer waren aber zwei Frauen, die unten, direkt am Ende des Downhills, standen und besonders laut schrien und klatschten. Und auch von den Leuten, die dort einfach so unterwegs waren oder die sich einfach nicht den ganzen Marathon anschauen wollten, kam viel Positives auf die Strecke. Was die Zuschauer angeht, gilt hier also: Keine Quantität, aber Qualität!

Vielen Dank an Elke Weisener, die sich in ihrer ersten Runde Zeit genommen hat, viele schöne Bilder von der Strecke zu knipsen und die mir erlaubte, diese hier zu veröffentlichen.

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Kategorien: Veranstaltungen | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „17. Helgoland Marathon

  1. Nicole

    Hallo Danny!

    Danke für den tollen Bericht!! Ich habe mich total gefreut, Dich und Deine Familie endlich persönlich kennen zu lernen!

    Leider kam die „Alternative“ der Reederei, über Bremerhaven zu fahren, zu spät. Als ich zu denen am Vormittag Kontakt hatte, waren sie noch „alternativlos“ und verwiesen auf eine weitere Übernachtung. Das wollte ich nicht. Alle Klamotten waren irgendwie nass, das Wetter gruselig und außerdem mein Katzensitter nur bis So geplant. Daher der Weg zur Touri-Info und die Möglichkeiten durchgegangen. Sie erwähnte auch den Flug, den ich aber zunächst ablehnte. Währenddessen kamen andere „Büsum-Gestrandete“ herein und suchten nach Lösungen… Ein Pärchen wollte fliegen. Die Touri-Büro-MA rief bei der Fluggesellschaft an… nur noch ein freier Platz für den Tag! …kurz überlegt, ach, wat solls, so ein Flug ist sicher ein Event für sich! Also zugeschlagen: ich wollte mit!

    Musste dafür zur Düne übersetzen und habe da auch einen anderen Läufer aus Kiel kennen gelernt, mit dem ich noch die Düne umrundet und Robben angeschaut habe (hätte ich im Normalfall gar nicht eingeplant, war aber toll). Und dann in einer 8-Sitzer-Maschine auf in den Sturm! Ja, doch, das war schon ein tolles Erlebnis, das mit Spaß gebracht hat!! In 20 Minuten in Büsum – Wahnsinn!! Aus finanziellen Gründen würde ich diesen Weg zwar künftig meiden, aber als einmaliges Event war es toll und ich habe nich einen netten Laufkollegen kennen gelernt! Also verbuchen wir es als „besonderes, einmaliges Event“! 🙂

    Ich habe die After-Run-Party mit Euch sehr genossen, vielen Dank für die tolle Gesellschaft!! Übrigens, Du hast ja eine super fitte, tanzfreudige Schwiegermama! Toll!

    Ich freue mich auf Euch am nächsten Wochenende!! Liebe Grüße, auch an family & friends!

    Nicole

    • Da hattest Du ja auch noch ein schönes Abschlussabenteuer. Hoffentlich war der Flug etwas ruhiger als unsere Schifffahrt. Als uns gesagt wurde, dass die Reisenden mit Ziel Büsum alle bei uns mitfuhren habe ich mich doch sehr gewundert, dass ich Dich nicht finden konnte.

      Es war schön Dich persönlich kennen zu lernen und mit Dir zu laufen und zu schnacken.
      Ich richte die Grüße und das Lob bzgl. Schwiegermami gerne weiter.

      Die nächste After-Run-Party haben wir dann ja in Schmiedefeld.

  2. Hallo Danny,

    schöner Bericht und tolle Fotos! Man kann Wind und Regen beim lesen förmlich spüren.

    Steffen

  3. Hallo Danny, vielen Dank für den schönen Bericht. Ich kann mich Nicole nur anschließen. Es war schön, Dich und Deine nette Familie kennen zu lernen. Und die tanzfreudige Schwiegermama war Spitze, aber auch Deine Frau und Ihre Freundin. Ihr ward einfach toll und habt unser erlebnisreiches Wochenende bereichert. LG Elke

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