Aller (Neu-)Anfang ist schwer…

Was für ein seltsames Jahr bisher. Lauftechnisch und auch sonst. Aber bleiben wir beim Laufen:

Nach einem sehr untätigen Winter ging ich extrem unfit und mit „Winterfigur“ in das Training. Damals hatte ich große Schwierigkeiten wieder reinzukommen. Schon kleinere Läufe brachten mich ziemlich zum Schnaufen. 30er fielen mir anfangs unheimlich schwer.

Irgendwann Ende März oder Anfang April war die Fitness dann aber wieder da. Ich konnte problemlos mehrere Marathons in kürzester Zeit laufen, einen Doppeldecker mit einem 50km Ultra und einem Marathon an einem Wochenende durchziehen und habe mit ca. 120 km am Stück einen neuen persönlichen Streckenrekord aufgestellt (auch wenn der mir keineswegs leicht fiel).

In der Folgezeit habe ich mit dem Rennsteig Ultra oder dem Süntel Trail und einigen anderen tollen Läufen auch einen wunderbaren Laufsommer erlebt.

Nach dem Süntel Ende Juli nahm der Arbeitsstress zu und der innere Schweinehund behielt immer häufiger die Oberhand. Die 75 km bei der Müritzumrundung Ende August waren in der Folge unheimlich hart. Auch danach war der Schweinehund noch recht mächtig und gewann immer wieder.

Im September kam dann schließlich eine kräftige Erkältung, die mir den Wupperbergeultra und auch den Bremen Marathon versaute. Die beiden Läufe sollten eigentlich einen tollen Saisonabschluss bilden. Wir hatten sogar unseren Urlaub extra so gelegt, dass die beiden Läufe noch passten. Alles vergebens: Der Saisonabschluss war ruiniert.

Und nach dem Bremen Marathon kam dann ja der Urlaub. Schon wieder kein Sport.

Jetzt haben wir den 25.10. Ich war seit Ende August nicht mehr laufen. Und auch davor kaum seit Ende Juli. Entsprechend habe ich jetzt bereits wieder meine „Winterfigur“ und bin absolut unfit. Der Horror.

Da musste nun etwas passieren. Das geht so nicht. Ich treibe ja gerne Sport. Wird also Zeit wieder einzusteigen.

Ich weiß nicht wie es Euch geht und ob Ihr das kennt: Wenn ich längere Zeit keinen Sport treibe werde ich immer träger. Und je länger eine solche Phase dauert umso schwieriger wird der Wiedereinstieg. Und das obwohl ich ganz genau aus meiner Erfahrung weiß wie gut mir der Sport tut und wie gut ich mich fühle, wenn ich mich bewege. Eigentlich seltsam.

Heute ist es jedenfalls passiert: Ohne viel nachzudenken bin ich in meine Laufsachen geschlüpft und losgelaufen. Endlich mal wieder.

Es sollte einmal um den Werdersee gehen. Eine der moderaten Strecken. Ca. 12 bis 13 km insgesamt. Ich will es ja nun auch nicht gleich wieder übertreiben. Immerhin muss ich fast alles wieder grundlegend neu aufbauen: Grundlagenausdauer, Muskulatur, Knochen, Bänder, Sehnen etc.

Die Garmin fand erstmal keine Satelliten. Das war mir aber egal. Ich wollte endlich wieder laufen. Also sofort angetrabt. Etwa bei der Hochschule wurde ich kurz aufgehalten. Wegen des Freimarktumzugs war es etwas schwierig über die Straße zu kommen. Ging aber. Also weiter.

Ich habe mir auch wieder meinen Lieblingsfehler gegönnt und bin gleich so schnell losgelaufen wie der Körper wollte. Die ersten paar hundert Meter strotzt der Körper immer vor Energie und will schnell laufen, fast schon sprinten. Also bin ich schnell gelaufen. Diese Energie verpufft aber irre schnell. Vermutlich weil dann die Glykogenspeicher leer sind. Egal. Auf keinen Fall gehen, sondern langsam weiter laufen.

Nach der langen Pause hatte ich mit einer Pace um etwa 6:30 min/km gerechnet. Die Garmin hatte mittlerweile GPS Signal und zeigte mir ca. 6:00 min/km an. Hätte ich nicht gedacht. Passt aber: Ich habe geschnauft wie ein kaputtes Überdruckventil. Die ersten ca. drei Kilometer fühlte es sich ziemlich schrecklich an. Der innere Schweinehund wollte mich ständig zu Gehpausen überreden. Da wollte ich aber nicht mitspielen und bin weiter gelaufen.

Ich bin am Krankenhaus vorbei Richtung Deichschart gelaufen. Kurz dahinter wechselte der MP3 Player zu einem etwas schnelleren Song. Und wie von selbst passten meine Füße sich dem Takt an. Obwohl ich immer noch kräftig am Schnaufen und Keuchen war sang ich innerlich mit. Gut für die übrigen Passanten, dass ich das nur innerlich mache.

Kurz auf die Uhr geschaut: 5:35 min/km. Waaas? Viel zu schnell! Das schaffe ich nie komplett. Aber wenn es doch gerade so schön läuft… Also erst einmal genießen und schnell bleiben. Langsamer laufen und leiden kann ich gegen Ende des Laufs immer noch.

Die Musik blieb schnell. Und ich auch. immer irgendwo um die 5:40 min/km. Vor einigen Monaten hätte ich das als Wohlfühlpace bezeichnet. Heute war es aber schon sehr schnell für mich. Aber es fühlte sich trotzdem immer besser an. Der innere Schweinehund war ruhig. Oder vielleicht war er es ja auch, der innerlich mitsang? Jedenfalls belästigte er mich nicht. So langsam kamen die Glücksgefühle wieder, die das Laufen manchmal mit sich bringt. Ein kleines Runner’s High beim ersten Lauf nach einer Ewigkeit. Das ist etwas Tolles!

Am Ende des Werdersees habe ich beschlossen nicht den Extrabogen zum Segelverein und zum Weserwehr zu laufen, sondern direkt am See zu bleiben. Es lief weiterhin bestens. Kurz vor dem Spielplatz bin ich dann einen kleinen Bogen nach rechts gelaufen und habe dann auf den Krähenberg zugehalten. Direkt davor noch ein paar Walker überholt und dann kam der Krähenberg auch schon. Hmmm… Die Walker sind in Sichtweite. Wenn ich nun am Berg schwächle, nachdem ich die gerade so locker überholt habe, sieht das auch blöd aus. Also die Geschwindigkeit (gerade ca. 5:30 min/km durch das Überholen) beibehalten und auf den Hügel gestürmt. Beim Herunterlaufen wegen des glatten Laubs ein wenig gedrosselt gelaufen – unten war ich bei ca. 5:20 min/km. In mich hineingehorcht: Alles gut! Kann weitergehen. Klasse!

Nun musste ich nur noch kurz bis nach Hause laufen und fertig war der erste Trainingslauf seit einer Ewigkeit. Ein tolles Gefühl, auch wenn sich mein Hinterteil nun leicht gezerrt anfühlt. Morgen geht das Training mit Body Attack im Studio weiter. Ich hoffe, dass der innere Schweinehund mich in der nächsten Zeit mal wieder ein wenig in Ruhe lässt. Dann können die nächsten Herausforderungen auch bald wieder kommen…

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Kategorien: Trainingsläufe | Hinterlasse einen Kommentar

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