3. PUM 2015 – Oder: Wolf in der Hose statt Tiger im Tank

Gestern, am 18.04.2015, stand der 3. PiesBERG Ultra Marathon bei Osnabrück auf dem Plan. Es sollte ein schönes Event mit den Lauffreunden Toni, Uwe-Heinz, Wolfgang, Helmut und vielen anderen werden.

In den letzten Monaten hatte ich praktisch komplett aufs Lauftraining verzichtet. Die üblichen Ausreden: Stress in Sachen Arbeit, Renovierung, viel zu tun – und wenn mal Zeit war: Blödes Wetter oder akute Unlust. Ich habe zwar Sport getrieben, aber zu wenig – und Laufen war ich praktisch überhaupt nicht. 42 Trainingskilometer ungefähr seit Oktober. Und geschätzte 20 kg Körpergewicht raufgepackt seit letztem Sommer.

Absolut mieserable Voraussetzungen also für einen solchen Lauf. Den PUM habe ich bereits zweimal geschafft. Er ist mit 55,2 km Strecke, über 1700 Höhenmetern und über 3100 Treppenstufen, die es zusätzlich zu den eigentlichen Laufstrecken unterwegs zu bewältigen gilt, durchaus sehr anspruchsvoll.

Ich hatte durchaus im Hinterkopf, dass es zu einem DNF kommen könnte. Man muss sich nichts vormachen. Wenn man so wenig trainiert, ist das nicht cool oder spannend, sondern in erster Linie unvernünftig. Ich möchte bei solchen Läufen Spaß haben und mich nicht zu Tode schinden. Deshalb hatte ich geplant sorgfältig auf meinen Körper zu hören. Starke Krämpfe, heftige Gelenkbeschwerden und vergleichbare deutliche Überlastungsanzeichen sollten für mich das Signal zum Aussteigen sein. Ich hatte zwar die Hoffnung, dass es bis zum Ende klappen könnte, aber einen Ausstieg nach drei oder vier Runden hatte ich vor Augen.

Mit diesen Vorzeichen ging es diesmal jedenfalls Richtung Osnabrück. Toni holte zunächst Dirk und dann mich ab. Um 07:00 Uhr waren wir komplett und düsten los. Am Startort angekommen trafen wir sofort auf Frank und Uwe-Heinz und dann auch auf all die anderen Läufer, von denen ich mittlerweile ziemlich viele gut kenne.

Dirk wollte hier seinen ersten Ultra laufen, war bestens vorbereitet und zeigte keine Spur von Nervosität. Die Ruhe bei den Ultras ist ansteckend. Außerdem war ihm genauso klar wie uns anderen, dass er den Lauf schaffen würde.

Nach der üblichen Vorbereitung, dem Gequatsche, dem Racebooker Foto etc. ging es dann tatsächlich los. Mein erster Ultra seit längerer Zeit wurde nicht mit einer Startpistole gestartet, sondern mit einem Luftballon und einer Nadel. Ein sehr pazifistisches Startsignal…

Es ging gleich die erste Steigung hinauf. Das Auftaktstück von ca. 750m Länge, das zur eigentlichen Strecke führt. Auf dieser läuft man sechs Runden immer wieder den Berg hinauf und hinab um dann noch einmal das Auftaktstück zum Ziel zu nehmen.

Ich wunderte mich wie leicht es mir fiel mit den anderen zusammen das Auftaktstück hinaufzulaufen. Irgendwie war es einfach schön mal wieder dabei zu sein.

Die eigentlich Runde beginnt gleich mit drei knackigen Anstiegen. Die kenne ich ja bereits. Ich bin dort noch nie hochgelaufen, sondern gehe diese Stücke. Das habe ich diesmal auch gemacht. Auch das mit guter Laune und ohne Probleme. Ok, das war jetzt nicht wirklich überraschend zu dieser Phase des Laufs. Plötzlich kam Helmut von hinten angeschossen, rief laut: „Walker rechts – Läufer links!“ und rannte an uns allen vorbei…

Nach den drei Anstiegen geht es in die „Strafschleife“. Das ist ein trailiges Waldstück, bei dem es zunächst einen langen Downhill hinunter geht, dann ein Stückchen eben auf Forstwegen und dann einen Singletrail steil nach oben bis zum Ausgangspunkt der Schleife. Das ist ein fieses Stück. Bei den drei Anstiegen hatten sich Toni und co. bereits einen gewissen Vorsprung herausgearbeitet. Das war klar. Ich hatte von Anfang nicht vor mit ihnen gemeinsam zu laufen. Hier und heute musste ich mein eigenes Ding drehen und nur auf meinen Körper horchen. Aber wie immer habe ich bei dem Downhill in der Schleife wieder aufgeholt und war an den Forstwegen wieder dran. Bei der Steigung sind sie mir erneut ein wenig entschwunden, blieben aber noch eine ganze Weile immer mal in Sichtweite.

Nun geht es Wanderwege entlang über einige erste Treppen zu einem weiteren steilen Downhill, der mehr oder weniger direkt zu den eigentlichen Treppen bei diesem Lauf führt: Zu DEN Treppen. Die bin ich dann erstaunlich zügig und ohne Probleme hochgegangen. Ok, war auch erst die erste Runde. Aber ich fühlte, dass es Spaß machte und mich überhaupt nicht anstrengte. Ich war etwas erstaunt, wusste aber ja, dass der Lauf noch sehr lang sein würde.

Direkt nach den Treppen kommt ein VP und dann ein sehr kurzes Schleifenstück. Auf dem Weg zum VP sah ich Uwe-Heinz, Dirk und die anderen auf dem Schleifenstück und feuerte sie kurz an, um mir dann auch etwas zu trinken zu holen und die Schleife zu laufen.

Das war der harte Teil der Strecke – etwa eine halbe Runde. Danach wird es ein einfacherer schöner Lauf. Es geht häufiger mal bergab – ich habe teilweise auf 04:00 min/km beschleunigt und gemerkt, dass mir das viel leichter fiel als abgebremst und kontrolliert zu laufen. Das waren aber immer nur wenige Dutzend schnelle Meter. Dann kommt ein sehr schöner trailiger Anteil mit vielen Baumwurzeln, Steinen und so weiter. Normalerweise ist der Boden hier immer feucht und weich. Diesmal war er weitestgehend trocken und hart. Da ich mich gegen Trailschuhe entschieden hatte, war das genau richtig für mich.

Am Ende des Trailstücks läuft man noch an einem Zaun vorbei. Dort gibt es eigentlich gar keine Hindernisse mehr, keine Wurzeln oder sonstwas. Und zack. Ich habe es geschafft gegen irgendetwas gegen zu laufen und stürzte vornüber auf Knie Hände und Ellenbogen. Ich bin sofort wieder aufgestanden und habe mich begutachtet. Der Läufer hinter mir hielt kurz an, bis ich ihm versichern konnte, dass soweit alles ok war. Danke dafür!

Es schmerzte tatsächlich nichts, jedenfalls nicht sonderlich. Das linke Knie ein wenig, aber nicht so, dass ich mir Sorgen gemacht hätte. Ich zupfte ein wenig an meiner Kleidung herum, die arg verrutscht war und lief weiter. Nach ein paar hundert Metern fühlte sich alles wieder gut an und ich war mir sicher, dass ich mich nicht verletzt hatte.

Dann kam das Ende der ersten Runde und damit auch der Haupt-VP. Hier gab es mal wieder alles, was das Herz begehrte, von Gummibonbons und Salzstangen bis hin zu Schokolade. Und nebenan wurde gegrillt. Es roch wunderbar. Die Vegetarier empfanden das als weniger angenehm wie ich an Helmuts Schimpfen hören konnte (ich hatte ihn zwischenzeitlich wieder eingeholt, nachdem er seinen Versuch wenigstens eine Runde komplett durchzulaufen eingestellt hatte). Aber ich liebe diesen Geruch. Naja, ein wenig versorgt und ab in Runde zwei. Die erste Runde hatte ich in ca. 01:15 Stunde abgehakt – erstaunlicherweise war das meiner Erinnerung nach auch ungefähr meine Vorjahreszeit. Und ich fühlte mich noch topfit. Erstaunlich…

Runde zwei lief ich zunächst auch völlig problemlos und entspannt durch die Gegend. Irgendwo kurz nach den Treppen merkte ich aber, dass meine Hose irgendwie nicht richtig saß und fummelte immer wieder daran herum. Bei dem Sturz oder dem Gezupfe danach muss ich sie zerrissen haben. Nach einiger Zeit stellte ich jedenfalls fest, dass zwischen Schritt und Oberschenkel ein ordentliches Loch klaffte. Nicht gut.

Die Runde bin ich immer noch problemlos und entspannt durchgelaufen und kam nach insgesamt 2:30 Stunden wieder am VP an, nur ca. zehn Minuten hinter Tonis Gruppe. Für mich eine top Zeit!

Allerdings schabte mein Oberschenkel nun bei jedem Schritt am Hosenrand und tat mittlerweile weh. Ich holte mir bei den Sanitätern ein großes Pflaster und startete in Runde drei.

Wieder die drei harten Anstiege hoch. Das Pflaster hielt nicht. So weiterlaufen wollte ich nicht. Ich hatte das vor einigen Jahren in Frankfurt schon einmal: Da habe ich mir auch einen Wolf gelaufen und bin noch ca. 20km bis ins Ziel gerannt. Damals hatte ich tiefe Wunden bis ins Fleisch am Oberschenkel und konnte eine Woche lang nicht richtig gehen. Das wollte ich nie wieder erleben. Und hier hatte ich noch über dreißig Kilometer vor mir.

Ich bin umgedreht, die drei Anstiege wieder runter, und habe mir bei den Sanis einen Verband geholt. Das fühlte sich besser an. Ich startete nun erneut in Runde drei und wieder die drei Anstiege hoch. Konditionell und muskulär etc. immer noch überhaupt kein Problem. Aber der Verband verrutschte oder das Loch wurde größer. Er half jedenfalls auch nicht mehr. Ich tüdelte dann ca. 20 Minuten selbst daran herum und versuchte die Situation zu retten.

Schließlich wollte ich es noch einmal versuchen und bin weitergelaufen. Die Strafschleife runter. Auf den Forstwegen löste sich der Verband endgültig auf. An der Stelle kam mir HaWe, einer der Organisatoren entgegen, der zunächst dachte, ich würde mir einfach nur viel Zeit lassen. Ich sagte ihm dann, dass ich aussteigen würde. Ich hatte mittlerweile gut eine Stunde Zeit verloren. Meine Motivation war einfach weg. So macht das keinen Spaß.

Ich stieg also den fiesen Anstieg am Ende der Strafschleife wieder hinauf und lief erneut zurück in Richtung Haupt-VP.

Das ist ein ganz blödes Gefühl: Wenn man bei einem solchen Lauf den Läufern entgegen kommt, fühlt man sich einfach nicht gut.

Nun ja, zurück zum VP, die Nummer abgegeben und ab in Richtung Duschen. Das war für mich leider der PUM in diesem Jahr. Sehr schade. DNF wegen einer kaputten Hose. Ich hätte gerne ausprobiert wie weit ich es geschafft hätte. Vom Gefühl her hätte es sogar reichen können. Aber auch bei einem Trainingsmangel-DNF nach vier Runden wäre ich zufrieden gewesen. Aber DNF wegen einer Hose? Blöd. Wirklich blöd.

Naja, ich bin jedenfalls noch einige Stunden vor Ort geblieben und habe die Läufer am VP noch ein wenig angefeuert und mich auch ein wenig am Grill bedient, bis Simone mich abgeholt hat. Als Nicht-Finisher die Siegerehrung miterleben war nun auch nicht das, was ich mir unbedingt antun wollte, bei allem Respekt vor der Leistung der Finisher.

Insgesamt war der Lauf auch in diesem Jahr wieder ein tolles Erlebnis, trotz DNF. Die Organisation war wie immer Liebevoll und bis ins Detail perfekt. HaWe und Günter wissen einfach, was sie da machen. Leise Kritik aus dem Vorjahr wurde aufgenommen – so war der VP in diesem Jahr wieder so organisiert, dass man problemlos hinlaufen und einen Schritt zurücktreten und damit anderen Platz machen konnte.

Ich werde an diesem Lauf sicherlich auch im nächsten Jahr wieder teilnehmen und kann das auch nur wärmstens empfehlen.

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Kategorien: 2015 | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „3. PUM 2015 – Oder: Wolf in der Hose statt Tiger im Tank

  1. AUTSCH! Ich kann mir gut vorstellen, was in Deinem Kopf vorgegangen ist, als Du Dich entschieden hast, das Event wegen der kaputten Hose aufgeben zu müssen… gar nicht schön, so was.

    Aber auf jeden Fall hat hier die Vernunft gesiegt. Und dafür gebührt Dir ebenso viel Respekt, wie allen Finishern. Denn zum Aufgeben muss man auch stark genug sein!

    • Danke.
      Ich kam mir reichlich blöd vor. Aber ich hatte keine Ideen mehr. Eigentlich hätte ich schon nach der Sache mit dem Pflaster beinahe aufgegeben. Wolfgang brachte mich dann auf die Idee es noch einmal mit einem Verband zu versuchen. Aber leider hat das auch nicht geklappt.
      Ich wäre lieber mit Krämpfen oder ähnlichen Überlastungsproblemen ausgestiegen…

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