Liverpool Rock’n’Roll Marathon 2015 – 14.06.2015

Ich schreibe nicht zu jedem Lauf einen Bericht. Aber wann läuft man schon in Liverpool?  Da muss das einfach sein. Die Täglichläufer haben bereits einen Kurzbericht zu diesem Lauf „serviert“ bekommen. Und hier nun die, geringfügig erweiterte, Version in meinem Blog…
Warum Liverpool?

Simone hat den Lauf herausgesucht als wir 2013 auf der Laufmesse beim Frankfurt Marathon waren.
Also reisten wir zusammen mit ihrer Mutter und einer Freundin der Familie am 13.06. nach Liverpool. Eigentlich flogen wir nach Manchester. Noch eigentlicher flogen wir einen irren Umweg: Von Bremen nach München nach Manchester. Drei Stunden Reise für eine Tour, die sonst nur eine Stunde dauert? Naja, wenn ich schon nicht schnell laufe, warum dann schnell reisen? Außerdem scheuen Ultraläufer doch keine Umwege… Ok, vielleicht war es auch einfach günstiger.

Mietwagen – Vorsicht ist geboten

In Manchester nahm ich den im Vorfeld gemieteten Mietwagen in Empfang. Meine erste Fahrt in England. Normalerweise fahre ich einen kleinen 5-Gang Benziner. Dort hatte ich einen recht großen (Skoda Yeti) 6-Gang Diesel. Und als ob das nicht schon ungewohnt genug wäre, war das Lenkrad rechts, die Schaltung links und ich musste mich im Linksverkehr zurecht finden. Für mich eine echte Herausforderung.

Am Anfang habe ich beim Schalten immer rechts in die Fahrertür gegriffen.
Aber ich kam doch ganz gut zurecht und habe uns ohne größere Probleme nach Liverpool gebracht.

Eine kleine Warnung am Rande: Wir haben den Wagen über check24 gebucht. Dort stand zwar irgendwo, dass eine Kaution für den Wagen hinterlegt werden müsse, aber nicht in welcher Höhe. Jedenfalls nicht so, dass wir es gesehen hätten. Ich bin schon häufiger im Ausland gefahren und kenne es so, dass es sich hierbei um irgendetwas in der Größenordnung von einigen Hundert Euro handelt, die auf der Kreditkarte blockiert werden.
Vor Ort hieß es nun aber, dass wir 1250,- Pfund (!!!) als Kaution hinterlegen sollten. Ein Anruf bei Check24 ergab dann, dass die das wissen und dass diese Summe versteckt ist in einer Klausen der Art: „Kaution… in Höhe der Selbstbeteiligung…“. Und die lag nun einmal bei 1250,- Pfund. Man könne da nichts weiter für mich tun.

Hmmm… 1250,- Pfund? Dann kann man die Kreditkarte in dem Urlaub ja fast schon vergessen (rechnet das mal in Euro um und vergleicht das mit Euren typischen Kreditlimit auf solchen Karten…). Das wollten wir nicht. Aber, oh Wunder, der Autovermieter hatte eine Lösung parat: Eine „Versicherung“, die die Selbstbeteiligung auf 0,- Pfund setzt – und damit auch die Kaution. Und das für „nur“ 66,- Pfund.

Beim nächsten Mal vertraue ich lieber wieder dem Reisebüro. Da weiß ich im Vorfeld ganz genau Bescheid und werde nicht vor Ort überrascht. Jedenfalls war das bisher so.

Hotelhorror

Ursprünglich dachte ich das Hotel läge direkt beim Start. Aber irgendwie habe ich da Mist herausgesucht – ja, das Hotel habe ich ausgewählt; das war so ziemlich mein einziger Beitrag zur Organisation dieses Urlaubs; und dann gleich voll in die Tonne gegriffen.. Das Hotel war ca. 5 km vom Start entfernt. Und es war das heruntergekommenste und ekelhafteste Hotel in dem ich jemals untergekommen bin.

Die Mädels waren mir „sehr dankbar“ für meine Hotelwahl. Allerdings war ich selbst so reumütig, dass sie mich nicht weiter damit aufgezogen und das halt für zwei Nächste erdultet haben.

In Bed’n’Breakfast Hotels ist es durchaus nicht unüblich die Handtücher über einen längeren Zeitraum zu verwenden. Aber wenn der Boden extrem dreckig ist und Gäste ihre Handtücher auf den Boden werfen, ist es eigentlich ein international verständliches Zeichen für: „Wir hätten gerne neue Handtücher!“ und nicht für: „Hebt das verdreckte Zeugs bitte auf und hängt es über Heizung, Tür, oder was Ihr so findet“.
Das ergab noch am Abend nach dem Marathon interessante telefonische Diskussionen mit der Hotelleitung. Allerdings bekamen wir dann tatsächlich frische Handtücher.

Später in London waren wir dann vorsichtiger und warfen unsere Handtücher gar nicht erst auf den Boden. Aber wir bekamen trotzdem jeden Tag Frische.

Vorbereitung

Am Samstag musste ich dann zusehen, dass ich noch schnell zum Congress Center am Albert Dock kam. Denn dort musste ich noch die Startunterlagen abholen. Im letzten Jahr beim Edinburgh Marathon war das toll: Da wurden mir die Unterlagen komplett zugeschickt. Für die Engländer gibt es diesen Service beim Liverpool Marathon auch. Aber als Kontinentaleuropäer musste ich den Krams abholen. Kenne ich von hier ja eigentlich auch nicht anders.

Etwas schade:
Wenn man den Marathon finisht, bekommt man eine Medaille.
Wenn man den 5 km Lauf am Samstag finisht, bekommt man eine Medaille.
Wenn man sogar beide Läufe finisht, gibt es zusätzlich noch die „Heavy Medal“.
Eine geniale Idee – und ein toller Name (und ganz nebenbei ein Prachtstück von einer Medaille). Hätte ich sehr gerne gemacht. Leider habe ich das aber erst ca. zwei Wochen vor unserer Anreise erfahren, als bereits alles gebucht war. Den 5 km Lauf habe ich deshalb verpasst.

Der Marathon

Am Sonntag ging es dann mit zum Marathonstart. Eigentlich wollte ich die 5 km dorthin auch laufen. Aber weil die Mädels zum Start mitwollten, haben wir uns ein Taxi genommen. Angesichts meines Trainingszustands keine schlechte Entscheidung.

Gestartet wurde pünktlich um 10 Uhr. Es gab eine Reihe von Startblöcken (ich glaube etwa 15), die einzeln im Abstand von ca. einer Minute gestartet wurden. Ich sollte eigentlich in Startblock 6 starten. Allerdings standen plötzlich so viele Leute aus den hinteren Startblöcken vor mir, dass ich in Startblock 7 gerutscht bin. Ich hatte es aber ja nicht eilig. Also war alles gut.

Ich hatte mir vorgenommen langsam zu beginnen. 6:00 min/km als Höchstgeschwindigkeit. 6:30 min/km als Wunschgeschwindigkeit. Aber wie das bei mir so ist: Solche Pläne sind Mumpitz. Ich halte mich eh nicht dran.

Gleich am Start standen Tausende Zuschauer. Da ist es schwer sich zu bremsen. Nach ca. 200 Metern dann ein Zuschauer mit einem Pappschild: „High five for extra energy!“. Wenn man den abgeklatscht hat, rief er einem noch zu, dass die Extrapower nun geladen sei. Da musste man einfach schneller werden. Generell waren die Zuschauer, die da waren, sehr unterhaltsam und aufbauend. Auch die Mitläufer waren alle bestens drauf. Die meiste Zeit über hatte ich Grund mich zu freuen und zu grinsen.

Etwas überraschend: Ich hatte mit einem extrem flachen Profil gerechnet. Aber das war ein Irrtum. Liverpool ist extrem hügelig. Ständig geht es langgezogene Steigungen rauf und runter. Bei richtig steilen Steigungen kann man guten Gewissens gehen. Aber bei langen Steigungen kommt man sich dabei doof vor. Die will man laufen. Machen die anderen auch. Und überhaupt: Geht ja kaum nach oben, nur eben lange… Also hilft es nichts, da muss man einfach laufen.

Wenn ich bei einem Downhill (die bin ich teilweise mit 4:30 min/km gerannt) dann Läufer überholt habe, wollte ich nicht, dass diese sofort wieder an mir vorbeiziehen. Also bin ich schnell geblieben und dann eben auch den nächsten Hügel hinaufgestürmt. Dann ging es wieder hinunter. Ich habe wieder Leute überholt. Und so weiter.
Ca. 20 km lang habe ich das so gemacht. Dann kam, was kommen musste: Ich war im Eimer.

Eine Besonderheit bei den Rock’n’Roll Läufen: An jeder Meile ist eine Bühne aufgebaut und eine Band spielt Rockmusik. Das war wirklich nicht schlecht. Aber eigentlich auch nicht viel anders als bei den großen Stadtläufen in Deutschland.
Schade fand ich, dass an diesen Bühnen kaum Zuschauer standen. Die Bands haben fast nur für uns Läufer gespielt. Und wir haben sie ja eigentlich immer nur sehr kurz gehört.
Trotzdem fand ich das eigentlich ganz schön.

Einige wenige Bands klangen ein wenig wie Schulbands, die noch ein wenig üben sollten. Aber die allermeisten waren großartig. Immer wieder ertappte ich mich dabei wie ich in Hörweite schneller wurde und meinen Laufrhythmus dem Takt anpasste und stärker hin- und hergewippt bin beim Laufen. Einige Bands waren verkleidet, einige jubelten uns Läufern direkt zu und eine Sängerin stand gar nicht mit ihrer Band auf der Bühne, sondern auf der Laufstrecke und schrie uns beim Singen förmlich an und verbreitete wahnsinnig gute Laune. Ach ja, da waren schon einige Highlights dabei…

Als Verpflegung gab es im Großen und Ganzen Wasser. Wie schon in Edinburgh nicht in Bechern, sondern in kleinen Flaschen. An manchen Stationen gab es auch Isodrinks, auch in Flaschen. Die habe ich hier und da probiert und das Zeugs überhaupt nicht vertragen. Meinem Magen ging es phasenweise richtig übel. Ansonsten gab es ein paarmal High 5 Energy Gels, die ich aber auch nicht mag (ich mag gar keine Gels).
Aber das kannte ich bereits aus Edinburgh. Fast dieselbe Verpflegungssituation.
Zum Glück hatte ich diesmal gut gefrühstückt.

Zwischen km 20 und km 35 habe ich mich ziemlich gequält. Ich wurde sehr, sehr langsam. Diese blöden Hügel nahmen kein Ende. Die Strecke war nicht besonders reizvoll. Es ging zweimal durch Parks und sonst nur durch Straßen. Und mal ehrlich: Soooo schön sind die Straßen in Liverpool auch nicht, zumindest nicht alle. Magen, Konditionsprobleme, Motivationstief. Ahh… Der Mann mit dem Hammer war da. Naja, auf den hatte ich eigentlich ja fast schon gewartet.

Auf einen DNF hatte ich keine Lust – hier auf gar keinen Fall. Zur Not wäre ich den Rest gewalkt. Ich hatte schon kalkuliert, dass ich das immer noch vor dem Besenwagen hätte schaffen müssen.

Aber zum Glück war das nicht nötig. Denn dann kam km 35 (ungefähr):
Da befand ich mich plötzlich am Wasser und lief eine Art Promenade entlang. Ein Zuschauer rief: „It’s not far now! Just straight! And no more hills!“ – No more hills? – Juhuu. Dann kann ich ja endlich wieder richtig laufen. Dachte ich. Und machte ich. Dieser Zuschauer hat meinen Lauf, nun ja, nicht gerettet, aber doch in etwas verwandelt, auf das ich mit Stolz zurückblicken kann.
Denn die letzten ca. sieben km bin ich dann wieder mit etwa 06:00 min/km gelaufen und habe irre viele Läufer, die vorher noch fröhlich an mir vorbeigezogen waren, wieder eingesammelt.

Ich kam nach 04:29:25 h ins Ziel und bekam eine sehr schöne Medaille umgehängt.
Mit der Zeit bin ich total zufrieden. Sie ist besser als ich vorher erwartet hatte.

Nach dem Lauf

Im Zielbereich sollte dann noch eine richtig große Feier stattfinden, von der ich allerdings nur kurz und am Rande etwas mitbekam. Wie sich herausstellte, gab es dort nämlich keine Duschen. Ich wollte aber nicht vollgeschwitzt und stinkend feiern.
Also habe ich meine letzten paar Pfund genommen und bin mit dem Taxi ins Hotel gefahren.
Dort habe ich kurz geduscht.

Und weil ich am Morgen mein Geld, meine Karten und alles Sonstige, meiner Frau gegeben hatte, musste ich nun die ca. 5 km wieder zu Fuß zurücklegen, um in den Cavern Club zu kommen, in dem meine Mädels feierten. In dem Club wurden damals die Beatles entdeckt. Ein kleiner Club mit Kellergewölbe, Livebands, gutem Cider. Dort haben wir es noch ein wenig krachen lassen und sind dann irgendwann, wieder zu Fuß, zum Hotel gewatschelt.

Am nächsten Tag ging es dann nach London, wo wir den Wagen abgaben, ein besseres Hotel hatten und noch eine schöne Woche verbrachten. Aber das gehört nicht mehr zum Laufbericht.

Übrigens: Als ich dann wieder in Bremen in meinem Auto saß, Lenkrad links, Schaltung rechts, griff ich am ersten Tag das eine oder andere Mal links in die Fahrertür, wenn ich schalten wollte. Aber das ist wohl einfach so…

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Kategorien: Veranstaltungen | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Liverpool Rock’n’Roll Marathon 2015 – 14.06.2015

  1. Danke, bin nun endlich dazu gekommen! Nun weiß ich ja, welche Fehler ich beim halben nicht machen sollte….

    • Kleiner Tipp noch: Die Medaillengravur im Zielbereich kostet 10,- Pfund. Als ich da gerade stand kam auch ein Läufer an, der in einem lustigen Kostüm gerannt war. Er musste nichts bezahlen…

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